Liesel Brack aus Erbes-Büdesheim sammelt Salz- und Pfefferstreuer
Die einen sammeln Puppen und Teddys, andere nostalgische Gerätschaften, Fahrzeuge, Ü-Eier-Figuren, Bierdeckel oder Fingerhüte. Die Sammelleidenschaft ist auch im Alzeyer Land ausgeprägt. In einer Serie stellt die AZ die Menschen und ihre Sammelobjekte vor. Von Roswitha Wünsche-Heiden Aus dem einen Heizkörper rieselt Salz, aus dem anderen Pfeffer. Wenn Liesel Brack wollte, könnte sie das Salz für die Suppe auch von einem Lastesel bringen lassen, es aus einem Miniatur-Kühlschrank holen, den Pfeffer aus dem davor stehenden Goofy schütteln und ein sehr echt wirkendes Sammler Gebiss zum Würzen des weich gekochten Frühstückseies auf den Tisch stellen. Oder wie wäre es vor dem Zubettgehen mit den anregend geformten "Scharfmachern"? Mit etwa 350 Paaren hätte Liesel Brack für fast jede Lebenslage die richtige Salz- und Pfeffer-Garnitur in ihrer Sammlung. Wenn die Sammlerin jedoch den eigenen Tisch deckt, ist es immer dasselbe schlicht-elegante Edelstahlensemble, bei dem der Salzstreuer den zylindrischen, abgeschrägten Pfeffersteuer ringförmig umfasst. Beim Kochen befinden sich die beiden Gewürze in zweckmäßigen, verschließbaren Plastikstreuern. Die Sammelstücke werden nicht benutzt, sondern bilden auf dem von Bruder Hans maßgeschreinerten Eckregal einen dekorativen Blickfang im Brack´schen Wohnzimmer. Es ist bis auf den letzten Platz besetzt und wenn ein neues Stück dazukommt, verschwindet ein weniger originelles in der Schublade. Wenig spektakulär war etwa 1980 der Beginn von Liesel Bracks Sammelleidenschaft. Im Gespräch mit ihrem Nachbarn hatte sie erwähnt, dass man auch Salz- und Pfefferstreuer sammeln könne und bekam von diesem bei passender Gelegenheit die ersten beiden Paare, und zwar traditionell geformte Werbegeschenke aus Holz. Dann begann sie mit dem Sammeln der Reihe "Arche Noah" aus der Porzellan-Manufaktur Goebel, die über viele Monate verliebte Tierpärchen auf den Markt brachte. Doch bald erschienen ihr 65 Mark monatlich für ihr Hobby zu "gesalzen und gepfeffert", denn ihr geht es beim Sammeln nicht um den Wert, sondern vor allem um die Originalität der Sammelstücke, obwohl es auch einige dekorative Teile von teuren Services bei ihr gibt. Es ist unglaublich, welche Motive für die beiden gängigen Basisgewürze zur Verfügung stehen. Liesel Brack mag am liebsten eine winzige Lokomotive mit Kohlewagen und als Lego-Fan zwei Legosteine. Auf Flohmärkten wurde sie fündig, später auch im Internet. Die meisten Exemplare bekam sie jedoch von anderen. "Die Salzstreuer sind ein schönes Geschenk", lacht sie. Sie bekommt die Streuer aus dem Urlaub mitgebracht, vor allem aber von ihrem Bruder Stefan aus den USA. "Einmal haben wir ein Päckchen bekommen", erzählt sie, "da haben wir lange raten müssen, bis wir herausgefunden hatten, dass es sich weder um Fische noch um Vögel, sondern um zwei Herzhälften handelte". Einige Male im Jahr nimmt Liesel Brack jedes Teil zum Entstauben in die Hand und sortiert es neu ein, manchmal nach Themen geordnet: Tiere, darunter viele Teddys, Hühner und Kühe, menschliche Paare, Weihnachtsmotive oder Nachbildungen von Gebrauchsgegenständen wie Glühbirnen, Bügeleisen oder Blumentöpfen. Kein menschlicher Körperteil ist tabu, wenn es um das Füllen mit Salz oder Pfeffer geht, nicht Albrecht Dürers betende Hände oder der Hund, der an einem Hydranten sein Bein hebt. Sogar für den Stromausfall ist gesorgt, da niest einer der Pfefferstreuer batteriebetrieben, und der Salzstreuer ruft "Gesundheit!" Alle bereits erschienen Serienteil im Internet unter www.az-alzey.de/region/ serie/sammler

