Vorpremiere für neues Programm des Kabarettisten und Zauberkünstlers Desimo in bechtolsheim
09.02.2012 - BECHTOLSHEIM
Von Marta Thor
„Wie macht er das bloß?“ Diese Frage bleibt den knapp 40 Gästen der Kleinkunstbühne im Bechtolsheimer KulturGUT, die über den Kabarettisten und Flinkfinger Desimo bei seiner Vorpremiere des neuen Programms „Übersinnlose Fähigkeiten“ staunen konnten - trotz einiger Absagen wegen des überraschenden Schneetreibens. Alltagsfragen wie „Was passiert mit den Socken in der Waschmaschine?“ oder „Wie unterschiedlich ist eigentlich unsere eigene Wahrnehmung?“ präsentierte der Hannoveraner Detlef Simon mit rhetorischen und visuellen Sinnbildern - und ein klein wenig Zauberkunst.
Fühlkasten mit „brennendem“ Inhalt
Desimo arbeitet nicht nur mit vielen charmant und natürlich präsentierten Wortspielen, sondern auch mit seinem Publikum. Ob kleine oder große Bühnen, das ist dem früheren Radiomoderator eigentlich egal, denn ihm kommt es mittlerweile auf die Prozesse an, die sich beim Zusammenwirken von ahnungslosem Auditorium und seiner eigenen Beeinflussung und Fingerfertigkeit ergeben. So führt er einen Zuschauer beim Blick in den eigens dafür präparierten Fühlkasten gekonnt in die Irre: „Das ist eine heiße Kiste und jetzt wird es wirklich brennend spannend!“ - heraus kommt am Ende dann nichts Hochentzündliches, sondern eine Flasche Cranberry-Sprudel.
Doch Desimo hat mehr zu bieten als ausgediente Tricks aus seiner früheren Karriere als Zauberkünstler. Mit Wortspielen im Stil von Michael „Bully“ Herbigs „Tapete“ aus der Bullyparade versucht er sich an einer möglichen Fortsetzung zu Stieg Larssons Schwedenkrimis. „Verschwedung: Man öre und staune! Das Opfer wurde mit einem Lillehammer hinter den Kopenhagen erschlagen.“ Desimos Kriminalkomissar Ikea wird in seiner Fassung wortmalerisch verächtlich als „Köttbullar“ bezeichnet - eben echt skandinavisch.
Seine Vielseitigkeit beweist der Künstler in zahlreichen Improvisationen: Mal imitiert er einen Sportreporter im Kreißsaal („Es herrscht starker Druck, doch sie will sich nicht von der Kugel trennen“), mal zwingt er dem Publikum kurzerhand einen Sprachkurs in Klingonisch auf („Bellen Sie ins Mikrofon: Vat ji Sop!“), die thematische Bandbreite Desimos reicht weit. An manchen Stellen holpert es noch spürbar, die Routine für das neue Programm fehlt, doch das sieht Simon ganz entspannt: „Bis zur Premiere im April vor 600 Gästen sitzt das.“
Philosophische Betrachtung eines Absperrbandes
An manchen Stellen wirken Desimos Fragen geradezu philosophisch. Beim Betrachten des Absperrbands sinniert er: „Das Verbotene reizt immer. Das Band ist wie das Gesetz, flexibel und anpassbar. Man kann es übertreten oder unterlaufen.“ Dabei bleibt er nicht nur in seinem Monolog, sondern sucht immer wieder das Gespräch mit dem Publikum.
Zum Abschluss lässt er dieses dann noch Bauklötzchen staunen beim Modell seines Holzklotz-Baukastens. Den Rahmen übergibt er den Zuschauern und zaubert nach Vorführung verschiedener Formen dann zwei weitere Steine aus seiner Tasche, die er durch geschicktes Umherschieben auf der Magnettafel am Ende wieder zum ursprünglichen Rechteck formt - und zum Erstaunen aller passt auch der Holzrahmen wieder. Wie macht er das bloß?

