Bernd Kern informiert über Winzer und Märkte
MH. / ALZEY-WORMS Gerade die junge Winzergeneration ist ein Motor für die Entwicklung der Weinlandschaft zwischen Mainz, Bingen und Worms. Das machte Bernd Kern, Geschäftsführer von Rheinhessenwein e.V., beim AZ-Werbestammtisch deutlich. "Das ist ein fast schon freches Selbstbewusstsein, mit dem diese Leute zu Werke gehen", urteilte der "Marketingchef" der rheinhessischen Weinerzeuger - und meinte das durchaus positiv. Der Winzernachwuchs zeichne sich durch "viel Gefühl für Klasse-Weine" aus. Nach Aussage des Marketingstrategen hat das Weinland Rheinhessen im Augenblick eine ganz starke Resonanz in der Fach- und Feinschmeckerpresse. "In der Wirtschaftspresse kommt immer mehr Erstaunen über den `Schlafenden Riesen` zum Ausdruck." Rheinhessen ist Deutschlands größtes Weinanbaugebiet. Was den Umsatz angeht, handelt es sich bei Rheinhessen um eine Weinregion, "die ihren Platz ganz elementar in den Regalen des Lebensmittelhandels sieht", so Kern. Fast 80 Prozent der Weine würden über diese Schiene abgesetzt, 21 Prozent über den direkten Vertrieb der Winzer. Bei Aldi, Lidl & Co. hätten rheinhessische Rebensäfte von allen Weinen, die in Deutschland produziert werden, einen Marktanteil von 24 Prozent. "Rheinhessen ist die Region mit dem höchsten Exportanteil in Deutschland", verriet Kern. "30 Prozent der Erzeugung werden auf Auslandsmärkten verkauft, unser größter Markt ist Großbritannien." Im Vergleich der Weinanbaugebiete sei Rheinhessen die Region mit dem geringsten Organisationsgrad. "Individualismus ist das prägende Element", betonte der Geschäftsführer. "Zum einen ist das ein dickes Plus, zum anderen aber immer auch ein Stück weit eine Gefahr. Weil die genossenschaftliche Struktur anderen Weinanbaugebieten eine gewisse Basis sichert, durch die die Weinwirtschaft dort nicht so schnell ins Wanken gerät." A und O der aktuellen Imagekampagne sei es, die innovative und experimentierfreudige Weinbauregion authentisch und glaubwürdig rüberzubringen - und eben keine Kunstwelten aufzubauen. In 2007 habe man für Marketingmaßnahmen 2,5 Millionen Euro zur Verfügung. Das schmale Werbebudget bezeichnete Kern als "heftigen Böckser bei unserer Arbeit". Das Budget sei "seit mehr als zehn Jahren konstant". Gleichzeitig liefen die Kosten "im Sauseschritt".

