Montag, 13. Februar 2012 02:02 Uhr
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Allgemeine Zeitung

Alzey 

Wie lange steigt er uns noch aufs Dach?

02.01.2007

Von Armin Burkart

EU rüttelt an Monopolstellung der Schornsteinfeger / Obermeister: Praxis hat sich bewährt

Schornsteinfeger haben hierzulande eine Monopolstellung. Der Kunde braucht sie erst gar nicht zu beauftragen, sie kommen unaufgefordert, reinigen die Kamine und messen die Werte der Heizgeräte. Schornsteinfeger kann nur werden, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt.

Mit diesen gesetzlichen Regelungen haben die Schornsteinfeger in ihrem Beruf ein Monopol. Streng genommen darf kein anderer aufs Dach steigen und einen Kamin reinigen. Die Städte und Gemeinden sind in Bezirke eingeteilt. Damit haben die Bezirks-Schornsteinfegermeister einen garantierten Kundenstamm. In diesen Fakten sieht die Europäische Union eine Vertragsverletzung der Dienstleistungsfreiheit und Niederlassungsfreiheit, die gegenwärtig in Brüssel überprüft wird. "Es wird sich einiges am deutschen Recht ändern", das erwartet auch der Obermeister der Schornsteinfegerinnung, Wolfgang Itzerodt aus Osthofen. Mögliche Änderungen möchte er jedoch in erster Linie auf die Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit bezogen wissen. "In Zukunft werden wahrscheinlich auch Ausländer in Deutschland den Berufs des Schornsteinfegers ausüben dürfen. Eine große Welle der Privatisierung erwarte ich nicht. Dazu hat sich die deutsche Praxis zu sehr bewährt", ist Wolfgang Itzerodt überzeugt. Die Sicherheit vor Bränden spreche für die Qualität der deutschen Schornsteinfegerleistungen, die man nicht leichtfertig aufgeben dürfe. Insbesondere die heutzutage eingesetzten Hochleistungs-Heizungsanlagen müssten von gut ausgebildetem Fachpersonal geprüft und gewartet werden. "Der geringe Strömungsdruck bei modernen Heizungen birgt die Gefahr des Abgasrückstaus." Bei unzureichend gewarteten Anlagen könne dies zum Gasaustritt in bewohnte Räumen führen. Die Sicherheit der deutschen Anlagen werde im europäischen Vergleich deutlich. "In Deutschland sterben jährlich zwei bis drei Menschen durch fehlerhafte Abgasanlagen, in Frankreich sind es 3000 und in Belgien 800", zitiert Itzerodt einschlägige Statistiken. Dies spreche für die Qualität deutscher Leistungen. Dabei sei die Arbeit der Schornsteinfeger alles andere als teuer. "Bei dreimaliger Reinigung eines Kamins mit einem Feststoffbrenner in einem mittelmäßigen Einfamilienhaus werden jeweils 16,58 Euro an Gebühren fällig", betont der Obermeister der Schornsteinfeger. Im Gegenzug sei in keinem anderen europäischen Land die Brandversicherung so kostengünstig wie in Deutschland, was ebenfalls auf relativ seltene Brandqoute hinweise.


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