„Pfaffenmilch“ passend zum Titel des Buches
09.09.2010 - ALZEY
Von Kathrin Damwitz
AUTOBIOGRAFIE Alzeyer Rieslingsekt kommt zu Neuerscheinung heraus
„Pfaffenmilch“, so wird die für den Menschen ungenießbare Milch einer Kuh genannt, die gerade erst gekalbt hat. Und „Pfaffenmilch“ lautet auch der Titel des ersten Buches des heute in Bad Reichenhall lebenden gebürtigen Alzeyers Markus Enders. In dem Buch, das am 20. September im Eigenverlag erscheint, schildert der 40-jährige, im Alzeyer Land aufgewachsene Autor seinen Missbrauch durch einen Priester, und er beschreibt die „unangenehmen Erlebnisse“, denen er im Lauf seiner 28-jährigen Tätigkeit als Organist in katholischen Gemeinden ausgesetzt war.
In Salzburg etwa, wo er in den letzten Jahren beruflich und privat zu tun hatte, wurde er durch einen Ordensgeistlichen „massiv diskriminiert“. Als Enders sich offen zu seiner Homosexualität bekannte, war er im Haus des Priesters plötzlich nicht mehr willkommen. Er durfte die Orgel in der konservativen österreichischen Gemeinde nicht mehr spielen, und die Leute schnitten ihn.
Kindheitstage auf dem Dorf
In der autobiografischen „Pfaffenmilch“ ist von fiktiven Personen die Rede, die Orte des Geschehens hat Enders verlegt, seine schlimmen Erlebnisse, den Missbrauch „verschlüsselt dargestellt“. Seine Oma Klara freilich kommt ganz authentisch darin vor - „zwei ihrer Kinder sind unmittelbar nach ihrer Geburt an Pfaffenmilch gestorben“ -, sie war ein ganz wichtiger Mensch für ihn. So schildert der heute selbstständige Weinhändler das Leben auf dem Dorf, die Plackerei der Großmutter auf dem Feld und Hof, sein schwieriges Verhältnis zum Vater.
Den Missbrauch, den habe er 30 Jahre lang perfekt verdrängt, tief in seinem Innern vergraben, sagt Enders. Erst nach den vielen Medienberichten über den Kindesmissbrauch durch Geistliche sei alles wieder hochgekommen. Durch das Buch, durch Internetforen und Gespräche mit Bekannten und Freunden hat er sich befreit von der Last der Vergangenheit.
Pünktlich zum Erscheinen ist jetzt auch ein trockener Rieslingsekt mit dem Namen „Pfaffenmilch“ auf den Markt gekommen; den Begriff hat sich Enders schützen lassen. Im Alzeyer Stadtweingut wurde der Sekt abgefüllt; die Edition umfasst 1 000 Flaschen. „Ab sofort ist die ,Pfaffenmilch‘ erhältlich“, darauf weist Enders hin. Der selbstständige Weinhändler möchte den Sekt auch seinen Kunden anbieten, und natürlich schaut er anlässlich des Winzerfestes beim Stadtweingut vorbei und stößt mit einem Gläschen auf sein Buch an.
Sekt-Etikett ziert „Lieblingsheiliger“
Auf dem Etikett des Sektes prangt Enders‘ „Lieblingsheiliger“ Johannes Nepomuk. Das ursprüngliche Bild wurde leicht abgewandelt. „Nun bekommt Nepomuk von einem Barock-Engel eine Flasche Sekt gereicht“, erklärt der Buchautor. Ums Haupt des Heiligen herum leuchten fünf goldene Sterne.
Die barocke Pracht katholischer Kirchen fasziniert den Neu-Bayern. Ohnehin war für ihn als Kind der Glaube sehr wichtig, das ist noch heute so. Nur mit den Geistlichen, mit denen habe er „abgeschlossen“, indem er seine Erfahrungen geschildert habe. Wichtig ist Enders, dass sein Buch nicht als „Anklageschrift“ aufgefasst wird. Und im Gegensatz zur „Pfaffenmilch“ der Kühe wird der gleichnamige Sekt viel bekömmlicher sein. Auf dem Etikett ist ein Hinweis auf das Buch zu finden.

