Hauptgewinn: Abzocke
16.07.2010 - ALZEY
Von Thomas Ehlke
BETRUG Firma aus Molbergen lockt mit windigem Reiseangebot
Da staunte die Alzeyerin nicht schlecht, als sie das Schreiben der Firma „Planungsservice, Abt. Kontenbetreuung“ aus Molbergen aus dem Briefkasten nahm und öffnete. Darin wird ihr ein Guthaben von 1 368 Euro bescheinigt, das sie auf dem Konto der in Auflösung begriffenen Firma „HTF-Europazentrale“ habe. Der Hauptgewinn sei nicht an sie übergeben worden, was nun bei einer Busfahrt, die am 12. August ab Alzey, Eppelsheim und Albig „direkt zum Verwaltungsbüro“ führt, nachgeholt werden soll.
Im Reisepreis von null Euro inbegriffen sind reichhaltiges Frühstücksbüfett, gemeinsames Mittagessen und ein Freigetränk für die Alzeyerin und ihre bis zu vier Gäste. Als Dankeschön gibt es zusätzlich, so die weiteren Verheißungen des Schreibens, eine hochwertige Küchenmaschine, ein 26-teiliges Bistrobesteck und eine Fritteuse.
„Wir hatten nie Kontakt zu der genannten Firma“, wittert der Ehemann der angeschriebenen Volkerstädterin hinter dem vermeintlichen „Hauptgewinn“ eine dubiose Abzocke nach dem bekannten Muster von Gewinnbenachrichtigungen und unseriösen Kaffeefahrten. Daher hat der Alzeyer auch keinen Gedanken daran verschwendet, die Einladung des Unternehmens anzunehmen, zumal ein Bekannter von ihm die gleiche Post im Briefkasten vorfand - mit exakt der gleichen versprochenen Geldsumme.
Für den Ersten Kriminalhauptkommissar Dirk Schindler sind diese und ähnliche Briefe nichts Neues. „Man könnte nahezu täglich davor warnen“, rät Schindler allen, die solche Gewinn-Post erhalten, nicht darauf zu reagieren und sie direkt wegzuwerfen. Die Tatsache, dass Unternehmen diese Briefe verschicken, ist allein noch kein Straftatbestand, sondern wird von der Polizei als „straffreie Vorbereitungshandlung“ bewertet.
„Wenn es dann aber auf die angekündigte Fahrt geht, kommt es häufig zu betrügerischen Geschäften. Dies jedenfalls ist unsere Erfahrung“, stellt Kripochef Schindler fest und warnt daher nochmals nachdrücklich davor, derlei Einladungen anzunehmen. In der Regel wollten die Betreiber dieser Aktivitäten an die Personalien und Kontodaten der Teilnehmer. „Damit haben sie sie dann meist schon am Wickel“, so Schindler.

