Von Karin Kinast
FRÜHJAHRSKONZERT AZ-Big-Band beeindruckt unter Jens Hunstein mit Vielseitigkeit und Spielfreude
Der Blues stand im Mittelpunkt des traditionellen Frühjahrskonzertes der AZ-Big-Band in der Volkerschule. Unter der Leitung des renommierten Jazzmusikers Jens Hunstein präsentierten das Ensemble und Sänger Rüdiger Schäfer ein anspruchsvolles Repertoire: Blues in allen möglichen Big-Band-Varianten, mit wechselnden Solisten, in verschiedenen Versionen und Arrangements. Die AZ-Big-Band begeisterte durch hervorragende Bläsersoli, filigranes Satzspiel und explodierende Dynamik.
Völlig geblendet, dass die Aula der Volkerschule so voll war, zeigte sich Hunstein. Er lobte das musikbegeisterte Publikum, das die Big-Band nonstop mit Schnippen, Klatschen und Zwischenapplaus anfeuerte. Salopp und spaßig moderierte er durch das Programm und bot einen spannenden Einführungsunterricht in die Geschichte des Blues.
Die Zeitreise begann an seinen afroamerikanischen Wurzeln, in Kansas City und New Orleans. So spielten die versierten Musiker einige Stücke von Count Basie, etwa "Splanky", einen jazzigen Swing mit tröpfelnden Pianoklängen. Beim blechernen "Whooping Blues", einem typischen Street Band Blues, konnte man sich gut vorstellen, wie Brass Bands durch die Straßen von New Orleans ziehen.
Blues ist auch eine Lebenseinstellung, verbunden mit einem Gefühl von Melancholie und Traurigkeit. Davon zeugten das geheimnisvoll-schleichende "Harlem Nocturne" und das weich wiegende Stück "Stolen Moments", ein Blues in Moll von Oliver Nelson.
Blues bildet auch die Basis von Boogie, Rock´n´Roll, Rock, Pop und Swing und drückt vitale Lebensfreude aus. So spielte die AZ-Big-Band auch Rhythm´n´Blues, etwa beim Ray Charles-Titel "Hallelujah, I love her so" und die rockige Bluesnummer "Alright, Okay. You win". Beide Songs wurden von Rüdiger Schäfer mit seiner schönen, warmen Stimme einfühlsam interpretiert.
Vergnüglich und schräg war ein experimentelles Stück von Don Ellis aus den späten 70er-Jahren. Auch wenn dieser "ziemlich heiße Blues" ganz und gar nicht zum Tanzen geeignet war, so hinderte dies die zu allen Späßen bereite AZ-Big-Band und ihren Leiter nicht, im schwierigen Rhythmus zu hüpfen.
Unter den Komponisten und Arrangeuren der dargebotenen Stücke waren auch Duke Ellington, Bill Ramsey, Benny Carter, Bill Holman, Oliver Nelson und der jüngst verstorbene deutsche Jazzmusiker Peter Herbolzheimer. Unter den Vokaltiteln auch der bekannte Gospel "Put your hand in the hand".
"Eigentlich spielen alle Solo", betonte Jens Hunstein, "aber heute Abend kommt nicht jeder zum Zug." Mehrfach solierten Werner Fix am Altsaxofon, Jessica Wolff und Rainer Landherr (auch Querflöte) am Tenorsaxofon, Anja Bärtsch und Harald Thelen an der Trompete sowie Klaus Friedrich, Birte Seitz und Michaela Friedrich an der Posaune.
Für den Trommelwirbel sorgte Walter Heeb am Schlagzeug, am Piano glänzte Frank Maas. Das Publikum bekundete seine Begeisterung mit tosendem Applaus und entließ die AZ-Big-Band erst nach zwei weiteren Gesangsdarbietungen von Rüdiger Schäfer, dem jazzigen "Georgia" und der berühmten "Route 66".

