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Alzey 

Späte Leidenschaft zum Wein

31.10.2009 - FLOMBORN

Von Armin Burkart

WINZERTRADITION Weinbau spielt bei den Stauffers seit 1600 wichtige Rolle

Seine Leidenschaft, Wein zu machen, entdeckte der Flomborner Karl-Michael Stauffer relativ spät. Auf seinen Vater - Landwirt und Winzer aus Leidenschaft - Günther Stauffer - aber auch für alle anderen Familienmitglieder - wirkte der Hinweis des Sohnes, bald nach dem Abitur ein Theologiestudium aufnehmen zu wollen, in hohem Maße irritierend. "Die waren damals alle sprachlos, ich mir der Tragweite meiner Aussage nicht bewusst, so dass zu diesem Thema erst einmal Schweigen in der Familie herrschte", erinnert sich Karl-Michael Stauffer heute. In diesem Zusammenhang muss man wissen, dass sich die Weinbautradition der Familie Stauffer bis 1600 zurückverfolgen lässt.

Winzerlehre

Die gedankliche Wende bei Karl-Michael Stauffer setzte ein, als er erkannte, dass eine Tätigkeit am Schreibtisch nicht sein Fall war. So absolvierte er zunächst eine Winzerlehre in Bermersheim und entwickelte dabei seine Leidenschaft für Wein. "Und dann ging mir eigentlich alles nicht schnell genug", erinnert sich Karl-Michael Stauffer. In Hohenheim studierte er Agrarwissenschaften, schloss als Diplom-Ingenieur ab und stieg 1985 in den elterlichen Betrieb ein. "Durch das starke Engagement meines Vaters in zahlreichen Ämtern des Berufsstandes, hatte ich großen Freiraum für Entscheidungen im Betrieb und das hat mich stark motiviert", schildert Stauffer seinen Werdegang. 1991 übernahm er die Führung des Weingutes.

"Unser Betrieb war von jeher sehr stark auf das Flaschenweingeschäft ausgerichtet", erzählt der Winzer und unterstreicht das mit Rechnungsformularen aus dem 19. und 20 Jahrhundert, die das sehr traditionsbewusste Weingut in Bilderrahmen in der Weinstube präsentiert.

"Die enge Bindung an die Endverbraucher diktiert uns Arbeitsweise und Philosophie im Weingut", macht Stauffer deutlich. "Unsere Kunden wollen einen Winzer zum Anfassen, die wollen mit ihm die Weine verkosten, seinen Betrieb sehen und in die Weinberge schnuppern." Deshalb ist Karl-Michael Stauffer mit seiner Frau Doris häufig auf Kundenbesuch, veranstaltet Weinproben, besucht Weinfeste vorwiegend im Norden Deutschlands, präsentiert seine Weine auf Messen und Ausstellungen. "Wir haben dabei eine ganz neue Klientel von Kunden gefunden, die Betreuung ist sehr zeitaufwendig, aber auch erfolgreich", resümiert Stauffer.

Der breite Kreis von Endverbrauchern diktiert dem Weingut letztendlich auch den breiten Sortenspiegel. Bei den Roten sind es Portugieser, Spätburgunder und Dornfelder, Cabernet, Merlo und Frühburgunder. Besonders stolz ist der Winzer auf seine Portugieser, da zeigt sich Michael Stauffer als Spezialist. Sein Lieblingswein wächst ist einem 75 Jahre alten Protugieserwingert. Mit tiefroter Farbe steht er im Glas und gibt beim Verkosten einen kräftigen Kirschton frei. Man muss schon tief ins Glas riechen, um auch die feinen Aromen von Zimt und einen Mokkaton aufzunehmen. Trotz Aromenfülle und 13 Prozent Alkohol macht der Wein nicht schon nach dem zweiten Glas satt. Er hat sich die Leichtigkeit erhalten, wie sie bei den Roten in erster Linie den Portugiesern eigen sind und gerade das macht Lust auf mehr.

Ein uralter Portugieserwingert von 75 Jahren ist der ganze Stolz des Winzers Karl-Michael Stauffer in Flomborn. Rudolf UhrigVergrößern

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