15-jähriger Nachwuchsfahrer Marek Böckmann trainiert für Motorsportsainson
31.12.2011 - ALZEY/NIERSTEIN
Von Beate Nietzel
Schiebt sich da aus dem Alzeyer Umland ein künftiger Formel 1-Pilot in die Pole Position internationaler Nachwuchsrennfahrer? Die Chancen stehen gut. Marek Böckmann zumindest will alles daran setzen, dass sein Traum Wirklichkeit wird - immerhin ist der junge Mann schon als Vierjähriger im Kart über Pisten und Bahnen gebrettert. Und heute, mit 15, steht Marek Böckmann an der Schwelle des richtigen Rennzirkus: Denn das Jahr 2012 wird seine Testsaison in der Formel BMW, in der vielversprechende Jungfahrer rundum gefordert und gefördert werden.
„Spaß haben“, benennt er immer noch einen der wichtigsten Faktoren seines Sports. Aber ohne eine gehörige Portion Ehrgeiz wäre Marek, der die neunte Klasse des Langgässer-Gymnasiums in Alzey besucht, nicht dahin gekommen, wo er heute ist: an der Spitze des deutschen Renn-Nachwuchses. „Der Kitzel, die Geschwindigkeit, der Reiz - und alles im Team, das ist das Tolle“, sagt Marek. Und mit seinen tadellosen Leistungen überzeugte er denn auch Ralf Schumacher und Formel 1-Legende Hans-Joachim Stuck: Die waren nämlich mit im Expertenteam, das bei den jüngsten einschlägigen Sichtungen die talentiertesten Nachwuchskräfte ausspähte.
Fitness-Training mit dem Niersteiner Christoph Kleres
Nun wird er im Heidfeld-Racing-Team Teil eines ganzen Stabes sein, wird nicht nur Ingenieur und Techniker um sich haben, sondern auch in Rhetorik und PR fit gemacht. „Und wenn alles gut läuft, könnte 2013 die Formel Renault winken“, blickt Vater Michael Böckmann voraus. 204 PS, 480 Kilo Fahrzeuggewicht - und von Null auf 100 in 3,5 Sekunden heißen dann die imponierenden Eckdaten.
Fit muss jemand sein, der diese Herausforderungen meistern will. Nicht nur körperlich, sondern auch mental. Dafür sorgt seit vielen Jahren Christoph Kleres. Im Niersteiner Studio des studierten Fitness-Fachwirts trainiert Marek schon seit der Grundschulzeit. Wobei Training hier nicht das Stemmen von Gewichten bedeutet - Krafttraining ist für Kinder sogar richtiggehend schädlich. Christoph Kleres stand 2005 also vor der Herausforderung, einen Jungen, der sich schon mit knapp fünf Jahren ohne Wenn und Aber das Kartfahren als künftige Leidenschaft erwählt hatte, behutsam aufzubauen. „Das bedeutete auch für mich Neuland“, erinnert sich Christoph Kleres. Er erarbeitete ein eigenes, ganzheitliches Konzept, in dem vor allem der Einsatz des eigenen Körpergewichts mit Spiel und Spaß eine Rolle spielte.
Mit viereinhalb Jahren zum ersten Mal im Elektro-Kart
Heute natürlich kann Marek die gesamte Fitness-Palette bedienen, wobei auch jetzt nicht nur der Kraftaufbau, sondern vielmehr die Beweglichkeit und möglichst breitgefächerte Top-Kondition im Vordergrund stehen. Fast zwei Stunden dauert das „Zirkeltraining mit Dampf“ mit Christoph Kleres, der seinen Schützling auch auf dessen Renn-Reisen begleitet.
„Er war viereinhalb, als er auf einem Vergnügungspark zum ersten Mal in ein Elektro-Kart stieg“, erinnert sich Papa Michael. Zum fünften Geburtstag gab’s eines mit Motor, „dann haben wir geguckt, wo er fahren kann“. Das waren zunächst Parkplätze, wo der Kleine um Pylonen flitzte. „Der MSC Walldorf war der einzige, der mich trotz meines Alters hat fahren lassen“, ist Marek, auch Mitglied im Alzeyer MSC, heute noch dankbar. Seit dem siebten Lebensjahr fährt er Clubrennen, mit acht Jahren erhielt er seine Fahrerlizenz, und seitdem ging es steil aufwärts. Mit elf Jahren sauste er schon als Schnellster mit 126 Stundenkilometer über den Nürburgring. Deutsche Kart-Meisterschaft und bester deutscher Fahrer in der Europa-Qualifikation zählen zu den jüngsten Erfolgen.
Dass dies alles auch sehr, sehr viel Geld kostet, verschweigt Michael Böckmann keineswegs. „60 000 bis 70 000 Euro steckt man in eine Kart-Saison“, verdeutlicht der Vater des Teenagers die Dimensionen. „Und für eine kommende Formelsaison muss man 200 000 Euro veranschlagen“, blickt Michael Böckmann in die nächste Zukunft.

