Spiel mit den Wellen: Wassersport auf Fuerteventura
07.02.2012
Von Manuel Meyer, dpa
Puerto del Rosario (dpa/tmn) - Fuerteventura ist bekannt dafür, die schönsten Strände der Kanaren zu haben. Doch für viele Urlauber liegen die wahren Attraktionen jenseits der Sandstreifen und Dünen. Surfer, Wellenreiter und Taucher finden hier beste Bedingungen.
Kilometerweit ist nichts anderes zu sehen als goldgelber Sand. Nur das Surfcenter von René Egli steht dezent am Rande des Strandes von Sotavento. Der weite Streifen Sand auf der sichelförmigen Halbinsel Jandia im Süden Fuerteventuras gehört zu den schönsten Stränden der Kanaren. Doch es sind nicht die Sonnenschirme und Sandburgen, die das Bild prägen. Sotavento ist das Reich der Windsurfer und Kiter.
Im Norden der weitläufigen Bucht gleiten und springen die Kite-Surfer über die Wellen der rund drei Kilometer langen Lagune, am südlichen Ende des Strandes leuchten die bunten Segel der Windsurfer in der Sonne. «Sotavento ist einfach der perfekte Platz zum Kiten und Surfen», sagt Surflehrer Enrico D'Incecco vom René Egli Center. Der weite Strand biete viel Platz zum Starten und Landen. Keine Felsen oder Riffs können den Surfern gefährlich werden. Und die Windbedingungen hier am äußeren Südzipfel Fuerteventuras seien unübertrefflich, behauptet der 25 Jahre alte Italiener.
Er zeigt auf die Gebirgszüge hinter dem Strand, die den Nord-Ost-Passatwind enorm beschleunigen. Zusätzlich muss sich der etwas kühlere Passatwind unter den warmen Luftmassen hindurchzwängen, die von der Sonne aufgeheizt im Inselinneren aufsteigen. «Es handelt sich um eine Art doppelten Düseneffekt», erklärt Enrico.
Ein Düseneffekt, der die wenigen Badenden und die vielen Surfanfänger neidisch aufs Meer hinausschauen lässt, wo Kiter und Windsurfer mit atemberaubender Geschwindigkeit über das Wasser fegen. Immer wieder springen Könner über die bis zu zwei Meter hohen Wellen, die sich weiter draußen an einer vorgelagerten Sandbank brechen. Die Bedingungen sind so vorzüglich, dass seit Jahren Weltmeisterschaften im Windsurfen und Kiten in Sotavento ausgefahren werden.
Sotavento sei aber auch ein idealer Ort, um das Windsurfen zu lernen, sagt Enrico: Die Winde bliesen konstant, es gebe genug Platz für alle, und das Meer sowie die Lagune seien in weiten Bereichen seicht genug, um darin zu stehen. Nicht ohne Grund eröffnete der Schweizer René Egli hier mit seinen beiden Filialen am Strand das größte Surf- und Kite-Center der Welt. Insgesamt 600 Bretter stehen zur Verfügung. Rund 50 000 Schüler lernen in Sotavento jedes Jahr das Spiel mit Wind und Wellen.
Auch Carolin aus Ulm und ihr Freund Björn aus Hannover sind nach Fuerteventura gekommen, um einen Windsurf-Kurs zu machen. «Ein Fuß am Mast, der andere leicht nach hinten versetzt auf der anderen Seite des Bretts», ruft Enrico. «Sonst könnt Ihr mit den Wellen das Gleichgewicht nicht halten.» Seine Schüler balancieren mit wackeligen Knien auf den Brettern. Immer wieder muss Enrico einigen aufs Bord helfen, meist steht er bis zur Brust im Wasser, um die Technik zu erklären.

