Brunnen-Wasseraufbereitung immer noch Problemfall
(mwo) - GOHL und FWG haben jetzt in der letzten Ortsbeiratssitzung vor der Sommerpause nachgehakt, wie es um die eigene Wasserversorgung für Wildsachsen steht derzeit.
Denn die ehemalige Brunnenanlage mit integrierter Trinkwasseraufbereitungsanlage für zwei Brunnen am Ortsausgang in Richtung Bremthal ist schon seit drei Jahren eine Baustelle, so dass die Wildsächser derzeit immer noch über den Riedwasser-Verbund versorgt werden und nicht mehr über ihr geliebtes weiches eigenes Wasser.
So wie es nach dem Bericht vom Technischen Betriebsleiter der Stadtwerke - Olaf Mewes - aussieht, wird es aber noch länger dauern, bis die Anlage am Ortsausgang wieder Wasser ins Netz speisen kann.
Vielmehr ist es momentan überhaupt fraglich, ob sich der Aufwand lohnt. Denn die Angelegenheit ist immer noch ein Problemfall, der gar nicht so einfach zu lösen ist. Der Brunnen selbst ist dabei gar nicht mehr der Knackpunkt, sondern die Wasseraufbereitung.
2008 musste die marode Aufbereitungsanlage am Ortsausgang abgerissen werden, die Wasser aus dem Wald mit dem aus dort befindlichen Brunnen vermischt hatte.
Dabei sollten damals auch die alten Holzrohre gereinigt werden, die sich dann aber praktisch aufgelöst haben und in den Brunnenschacht abgesackt sind und dabei auch die alte Brunnenbohrung unbenutzbar gemacht haben.
Also musste der alte Brunnen überbohrt werden für einen neuen, der allerdings nicht so ergiebig ist wie erwartet. Gefördert wird aus zwei Schichten.
Eisen, Mangan und Nitrat
In 42 Metern Tiefe ist man auf sehr altes, sauerstoffreduziertes Wasser gestoßen. Das enthält so viel Eisen und Mangan, dass die zulässigen Grenzwerte für Trinkwasser überschritten werden. Deshalb müsste dieses Wasser aufbereitet werden, bevor es an die Haushalte in Wildsachsen weitergegeben werden kann, auch wenn das Wasser sehr nitratarm ist. Als weiteres Problem kommt dazu, dass aus dieser Erdschicht das Wasser nur sehr langsam nach oben kommt trotz einjährigen Pumpen-Probebetriebes. Deshalb wird es schon jetzt für unwirtschaftlich gehalten, den Brunnen weiter zu betreiben, der aber wenigstens noch als Notbrunnen dienen könnte.
Eine bessere Ausbeute verspricht die Brunnenbohrung, die Wasser aus zehn bis 39 Metern Tiefe fördert. Hier stimmen zwar die Eisen- und Mangan-Werte, aber der Nitratwert ist hier das Problem. Denn es handelt sich um extrem weiches Wasser, das die Rohre zerfressen würde, wenn es nicht entsäuert wird. Das ist aber auch gar nicht so einfach, denn der Gehalt an Kohlensäure ist extrem hoch. Dazu kommt, dass heutzutage nicht mehr so wie früher Wässer aus verschiedenen Brunnen zusammengemischt werden können. Und auch die Wasseraufbereitungstechnik hat sich geändert und ist wesentlich komplizierter geworden, so dass praktisch für beide neue Brunnenbohrungen jeweils eine eigene entsprechend ausgelegte Wasseraufbereitung realisiert werden müsste. Deshalb sind die Stadtwerke froh, dass erst einmal der Pumpen-Probebetrieb abgewartet worden ist, bevor man die Wasseraufbereitung angegangen ist.
Jetzt wird erst einmal eine Wirtschaftlichkeitsberechnung angestellt, über die nach der Sommerpause die mit Stadtverordneten bestückte Betriebskommission entscheiden wird. Dabei könnte auch herauskommen, dass es letztlich günstiger sein wird, die Wildsächser auch künftig nur über das Riedwasser zu versorgen, das allerdings wesentlich härter - aber besser für die Rohre - ist.


