Auch neue behindertengerechte Toilette
(mwo) - Es dauerte nur wenige Minuten, als am Donnerstagfrüh nach rund einer Woche Vorarbeit für das Fundament das tonnenschwere Fertigbauteil von einem Spezialkran vom Hänger des Lasters direkt über seinen künftigen Standort gehoben war. Was so leicht aussah, ist aber ein schwerer finanzieller Brocken für den Stadtsäckel in sechsstelliger Höhe, der aber ganz bewusst trotz des großen Haushaltsdefizits ausgegeben worden ist. Denn schließlich hat Hofheim damit einmal mehr bewiesen, dass man hier viel Wert auf Barrierefreiheit legt. Dementsprechend groß war auch die Einweihung, bei der natürlich auch der Beirat für die Belange von Menschen mit Behinderung mit von der Partie war am Freitagnachmittag.
Die neue WC-Anlage mit getrennten Toiletten für Personen mit und ohne Behinderung am Platz "Am Untertor" ist am Freitagnachmittag offiziell "in Betrieb genommen worden", wie es im besten Amtsdeutsch heißt. Das Besondere ist, dass die behindertengerechte Toilette nur von Menschen genutzt werden kann, die einen Euro-Schlüssel besitzen, dessen Ausgabe an bestimmte Voraussetzungen geknüpft ist. Bürgermeisterin Gisela Stang, Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Vater und Prof. Dr. Kurt Jacobs, Kommunaler Beauftragter für die Belange von Menschen mit Behinderung, waren sich beim Ortstermin einig darin, dass mobilitätseingeschränkte Menschen sich nun ohne Zeitlimit und entspannter in der Hofheimer Innenstadt aufhalten können.
Alte WCs ausgedient
Es war schon lange klar, dass die bisherige, veraltete Behindertentoilette "Am Untertor" nicht mehr den heutigen DIN-Normen barrierefreier öffentlicher Einrichtungen entsprach und dringend einer Erneuerung bedurfte. Trotz der für dieses Projekt insgesamt aufzubringenden beachtlichen Mittel in Höhe von rund 140000 Euro in einer Zeit angespannter Finanzlage entschied sich der Magistrat dafür, dieses Bauvorhaben zu realisieren. In dem stolzen Betrag sind zum Beispiel auch die Rücknahme der alten Anlage, die Erschließung der neuen WC-Anlage und ihre Montage mittels Autokran und das Versetzen eines Parkscheinautomaten enthalten.
Nachdem der Kommunale Beirat für die Belange von Menschen mit Behinderung von vorneherein in die Planung mit einbezogen war und dabei die speziellen Bedürfnisse von mobilitätseingeschränkten Menschen benannte und erläuterte, entschied man sich gemeinsam für eine Behindertentoilette mit Selbstreinigungsanlage nach dem neuesten technischen Stand.
Euro-Schlüssel
Im Gegensatz zum alten behindertengerechten WC, das von jedermann genutzt werden konnte, ist die neue Toilette nur noch mit einem Euro-Schlüssel zugänglich, von denen die Stadt Hofheim 20 Stück gekauft hat. Hierdurch wird gewährleistet, dass dieses WC ausschließlich von dem berechtigten Personenkreis benutzt werden kann. Dazu zählen: schwer Gehbehinderte, Rollstuhlfahrer, Stomaträger, Blinde, Schwerbehinderte, die hilfsbedürftig sind und gegebenenfalls eine Hilfsperson brauchen, an Multipler Sklerose, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa Erkrankte und Menschen mit chronischen Blasen-/Darmleiden. Mit dem Besitz eines Euro-Schlüssels ist dann der Inhaber zusätzlich in der Lage, in allen Ländern der EU die öffentlichen Behindertentoiletten benutzen zu können. Einen Schlüssel erhält auf jeden Fall, wer einen GdB (Grad der Behinderung) von mindestens 70 im Schwerbehindertenausweis hat. Bei Vorliegen der Merkzeichen aG, B, H, oder BL erhält man den Schlüssel unabhängig vom GdB. Als Nachweis genügt eine Kopie des Schwerbehindertenausweises, bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ein ärztlicher Nachweis.
Gegen eine Gebühr von 18 Euro kann der Euro-Schlüssel unter Vorlage des entsprechenden Berechtigungsnachweises im Bürgerbüro des Hofheimer Rathauses, Chinonplatz 2, erworben werden. Das Bürgerbüro ist geöffnet: Montag bis Donnerstag von 7.30 bis 18 Uhr, Freitag von 7.30 bis 16 Uhr, Samstag von 9 bis 12 Uhr.


