Zum Tod des Künstlers Wolfgang Becker
mel. Er war durchaus ein streitbarer Geist - aber immer für die Kunst. Wer Wolfgang Becker begegnet ist, konnte sich in langen Gesprächen davon überzeugen, wie vielfältig und vielschichtig auch seine theoretischen Kenntnisse auf diesem Gebiet waren. Jetzt starb der Wiesbadener Künstler im Alter von 78 Jahren. Wolfgang Becker hatte an der Berliner Hochschule der Künste studiert, bevor er auf der Durchreise hier "hängengeblieben" ist. Mit seinen vorwiegend geometrisch-abstrakten Arbeiten - oft in ihm eigenen Blautönen - machte er künstlerisch in Wiesbaden auf sich aufmerksam. Und entschloss sich schließlich, der Bildenden Kunstszene hier den aus seiner Sicht notwendigen Anschub zu geben. Er gründete 1972 die Wiesbadener freie Kunstschule (WfK), deren Leiter er auch wurde. Zunächst residierte die Schule, aus der zahlreiche Künstler hervorgegangen sind, am Kranzplatz, später lange Jahre in der Schwalbacher Straße, zunächst in der Nummer 34, dann weiter oben, im Verwaltungsgebäude der alten Städtischen Kliniken. Dort wurde schließlich ein anderer Mieter einquartiert, die Stadt bot der WfK zum Ausgleich die neuen Räume in der Friedrichstraße 7 an - einem historischen Gebäude, in dem auch das Projektbüro Stadtmuseum sein Quartier hat. In den neuen Räumen übernahm - in zweiter Generation - sein Sohn Michael Becker die Leitung der Schule. Die Stadt unterstützte das einzigartige Konzept der von Wolfgang Becker gegründeten freien Akademie. Der auch politisch engagierte Wolfgang Becker entwickelte hier eine ganz originäre Kunsttheorie, an der sich das Studienprogramm der Schule auch heute noch orientiert. Die Schule bietet eine interdisziplinäre Ausbildung auf Hochschulniveau. Erwachsene und Kinder werden hier in Malerei und Zeichnen, Fotografie und Kunsttheorie, Bildhauerei und Videokunst unterrichtet. Diese Schule und die vielen Kulturbegeisterten, die sie besucht haben, sind das Vermächtnis von Wolfgang Becker an diese Stadt, die ihm zur Heimat geworden ist.

