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Allgemeine Zeitung

Wirtschaft 

Gesundheitstourismus immer beliebter

30.01.2006 - WIESBADEN

Von Annette Jäger

Zum Arzt nach Tschechien oder Polen - sparen bei Zahnersatz und Kuren / Risiken beachten

Die Grenzöffnung in Europa entfacht den Wettbewerb: Arztbesuche in osteuropäischen Nachbarländern sind stark im Kommen - um sich das Gebiss sanieren oder als Rheumapatient im Kurbad therapieren zu lassen. Denn in Ländern mit niedrigeren Löhnen und Mieten ist auch die ärztliche Leistung billiger: Bis zu 70 Prozent lassen sich beim Zahnersatz sparen, bis zu 60 Prozent bei reinen Schönheitsoperationen, die Patienten alleine zu zahlen haben. Kuren sind preiswerter und qualitativ mitunter besser als daheim. Seit der Gesundheitsreform 2004 müssen die gesetzlichen Kassen für ambulante Behandlungen im EU-Ausland dieselben Kosten übernehmen, die in Deutschland üblich wären. Daher lohnt sich vor allem bei ärztlichen Behandlungen mit hohem Eigenanteil wie beim Zahnersatz oder bei Kuren die Reise nach Osteuropa. "Der Standard ist sehr gut und es gibt vor allem viel mehr Personal", hat Carolin Cuntz von der Taunus BKK bei osteuropäischen Kureinrichtungen erfahren. Auch Spanien mit Sparpotenzial von bis zu 50 Prozent bei Zahnersatz ist attraktiv. Allerdings lohnt sich der Gesundheitstourismus eher, wenn der Patient keine kostspielige Anreise hat oder den Arztbesuch gleich mit seinem Urlaub verbinden kann. Die gesetzlichen Krankenkassen reagieren auf die zunehmende Nachfrage ihrer Mitglieder. Die AOK Rheinland hat Verträge mit Ärzten in Belgien und Holland geschlossen, da viele Patienten dort die Apotheken besuchen oder zum Arzt fahren. Die mhplus BKK arbeitet mit polnischen, tschechischen und ungarischen Kurbädern zusammen - der Vorteil für den Patienten: Abgerechnet wird bequem mit der deutschen Versicherungskarte. Von der Billigbehandlung im Ausland profitieren letztlich beide Seiten. Der Eigenanteil des Patienten schrumpft nicht selten auf Null. Ein Zahnersatz, der hier 6 000 Euro gekostet hätte und von der Kasse mit 4 000 Euro bezuschusst würde, hat in Polen insgesamt nur 3 300 Euro gekostet. Für den Patienten war die Behandlung kostenlos, die Kasse selbst hat noch 700 Euro gespart, rechnet Trinogga vor. Vor der Gesundheitsreise ins Ausland sollte aber die Krankenkasse befragt werden. Denn obwohl die ambulante Behandlung im Ausland nicht genehmigungspflichtig ist, gilt deutsches Verfahrensrecht, so Elisabeth Reker vom AOK-Bundesverband. Wer das nicht einhält, hat hinterher mit der Kostenerstattung Probleme. Beim Zahnersatz gibt es die Festzuschüsse, und der Patient kann sogar von seinem Bonus profitieren. Allerdings muss er immer die üblichen Zuzahlungen und eine Verwaltungsgebühr von maximal 45 Euro tragen. Arztbesuche im fremden Land sind auch mit Risiken verbunden. Eventuelle Nachbehandlungen erfordern weitere, kostspielige Reisen, falls es keinen Partnerarzt in Deutschland gibt. Und was ist, wenn der Arzt gepfuscht hat? Vorsorglich sollte man deutsches Recht und einen deutschen Gerichtsstand im Behandlungsvertrag vereinbaren, rät Dörte Elß von der Verbraucherzentrale Berlin. Manche ausländischen Zahnärzte nutzten den Gesundheitstourismus nach dem Motto: "Darf es ein bisschen mehr sein?". Statt eines Inlays wird gleich eine Krone angefertigt, oder man rät zum teuren Implantat. Der Patient muss sich daher über seinen Befund sehr gut auskennen und Angebote selbstständig vergleichen können. Manchmal erweist sich alles in allem Zahnersatz beim heimischen Zahnarzt als günstiger - wenn er nämlich mit osteuropäischen Dentallabors zusammenarbeitet.


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