Naspa Wiesbaden bekommt schlechte Noten - und sucht nach Ursachen
21.07.2010 - WIESBADEN
Die von der Stiftung Warentest mit der Note „mangelhaft“ abgestrafte Nassauische Sparkasse (Naspa Wiesbaden) sucht mit Hochdruck nach den Ursachen für das schlechte Abschneiden. „Es ist vollkommen inakzeptabel, dass Beratungsprotokolle bei der Wertpapierberatung nicht ausgehändigt werden“, sagte eine Sprecherin des Instituts am Dienstag auf Anfrage. „Wir können uns das derzeit nicht erklären, was da passiert ist und werden alles daran setzen, das schnellstmöglich zu ändern.“
Nach ihren Angaben werden bei der Naspa pro Monat im Schnitt 1500 bis 2000 Beratungsprotokolle an Kunden ausgehändigt. Die Naspa ist mit einer Bilanzsumme von knapp zwölf Milliarden Euro die siebtgrößte Sparkasse Deutschlands. Das Institut hat in Teilen von Hessen und Rheinland-Pfalz insgesamt 450.000 Kunden.
Sechs Mal "mangelhaft"
In der am Dienstag veröffentlichten Untersuchung der Stiftung Warentest zur Anlageberatung bei 21 Banken, Volksbanken und Sparkassen bekamen sechs Institute die negativste Note „mangelhaft“. Die Anlageberatung bei Geldinstituten in Deutschland hat sich damit laut Stiftung Warentest weiter verschlechtert - allen Beteuerungen der Branche nach der Finanzkrise zum Trotz. Ganz am Ende der Liste landeten zwei Institute aus Hessen: auf dem letzten Platz die Volksbank Mittelhessen (Gießen), auf dem vorletzten die Nassauische Sparkasse.
Die Note „gut“ wurde gar nicht vergeben, wie die Stiftung am Dienstag in Berlin mitteilte. Das „jämmerliche“ Ergebnis sei noch schlechter als in einer ersten Studie im vergangenen Jahr. Verbraucherschützer forderten mehr Kontrollen.
„Verantwortlich für die schlechten Noten sind flächendeckende Verstöße gegen das Wertpapierhandelsgesetz“, sagte Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest“. Geldinstitute müssen seit Jahresbeginn ein Beratungsprotokoll erstellen, wenn die Rede auf Wertpapiere kommt. Darum sei es in der Untersuchung 126-mal gegangen, für die im März und April insgesamt 146 Beratungsgespräche in Filialen geführt wurden. Doch bei mehr als der Hälfte der Fälle (65) gab es kein Protokoll, obwohl danach gefragt worden sei
Riskante Anlagekonzepte empfohlen
Nach Angaben der Stiftung Warentest stellten Berater weitere gesetzlich vorgeschrieben Fragen an die Kunden nun häufiger als bei der vorigen Studie. „Trotzdem sind die Banken noch weit von einem guten Ergebnis entfernt“, sagte Tenhagen. Rund ein Drittel der Testkunden seien etwa nicht nach Einkommen, Vermögensverhältnissen oder Ausbildung gefragt worden, was für eine Beratung aber nötig sei. In den meisten Fällen hätten die Berater zudem ein zu riskantes Anlagekonzept empfohlen. Im Test wurde danach gefragt, 35.000 Euro für zehn Jahre anzulegen. Am Ende sollte die Summe auf jeden Fall wieder da sein, auch bei möglichen zwischenzeitlichen Verlusten.
Der Ex-Banker Eberhard Beer kritisierte: „Viele Banken versuchen nach wie vor Geschäft um des Geschäfts willen zu machen.“ Der 61-Jährige ist Sprecher der „Alten Hasen“, einem Netzwerk von unabhängigen Bankkaufleuten ab 55 Jahre. „Trotz aller Protokolle und Beipackzettel: Vieles ist für Verbraucher nach wie vor nicht verständlich“, sagte Beer. „Wir trauen den Banken nicht mehr.“
Insgesamt schnitten die untersuchten Geldhäuser schlechter ab als bei einer vergleichbaren Studie im Sommer 2009. Damals bekamen zwei das Urteil „mangelhaft“. Nun bekamen sechs Institute diese schlechteste Bewertung, zwölf die Note „ausreichend“, drei Sparkassen ein „befriedigend“. Ein Testsieger wurde nicht gekürt.
Mehr Kontrollen gefordert
Die Stiftung Warentest forderte mehr Kontrollen und Sanktionen bei Verstößen. Gefragt sei etwa die Finanzaufsicht BaFin. Der Verbraucherzentrale Bundesverband verlangte: „Ohne klare gesetzliche Vorgaben und effektive Kontrollen durch die Finanzaufsicht wird sich an der Qualität der Anlageberatung durch Banken und Finanzvermittler nichts ändern.“ Die Beratung dürfe nicht mehr von Provisionen getrieben sein.

