MANAGERBEZÜGE Mainzer Wissenschaftler fordert eine Umstrukturierung der Bonussysteme
(dpa). Bonussysteme für Manager müssen nach Meinung des Mainzer Wirtschaftswissenschaftlers Louis Velthuis notfalls per Gesetz umstrukturiert werden. "Diese Art der Vergütung war zu 100 Prozent mit schuld an der Finanzkrise", sagte der Professor für Controlling an der Gutenberg-Universität in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Die Regeln, nach denen Boni ausgezahlt würden, verleiteten Manager nach wie vor dazu, viel zu hohe Risiken einzugehen. Daher sei es nur eine Frage der Zeit, bis sich eine neue Finanzblase bildet und platzt. Hohe Sonderzahlungen für Manager der kriselnden Finanzbranche sorgen seit der Krise immer wieder für Aufregung. Verpflichten sich Unternehmen und Banken nicht selbst, das System zu ändern, müsse der Staat einschreiten, forderte der Wissenschaftler. "Wir brauchen hier ein Umdenken."
Bonisysteme als solche seien durchaus sinnvoll. "Es gibt jedoch tatsächlich keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass die Beträge so hoch sein müssen", betonte Velthuis. Er sei dafür, den erfolgsabhängigen Anteil an der Bezahlung grundsätzlich zu verkleinern und Manager auch an Verlusten zu beteiligen. Bei diesem Modell sollten Boni zunächst in eine Art Fonds eingezahlt werden. Aus diesen Rücklagen werde dann immer nur ein Teil an die Manager ausgeschüttet, der Rest bleibt als Reserve für den Ausgleich etwaiger Verluste, erklärte der Experte, der zu diesem Thema im vergangenen Jahr zusammen mit Wirtschaftsprüfern ein Buch veröffentlicht hat.
Bei den 30 größten im deutschen Aktienindex Dax notierten Unternehmen ist es üblich, dass Manager nur rund ein Drittel ihrer Bezahlung als Festgehalt beziehen. Die Hälfte sind kurzfristige, der Rest langfristige Boni. Velthuis bemängelte, dass nach den derzeit gängigen Systemen immer erst dann zusätzliches Geld sprudelt, wenn eine sehr hohe Rendite-Schwelle überschritten wurde. "Dies verleitet natürlich dazu, hohe Risiken einzugehen", sagte der Professor. Geht das Geschäft dann schief, hat der Manager schließlich - außer dem Verlust des Bonus - nichts zu befürchten. Zudem würden für die kurzfristigen Boni oft maßgebliche interne Gewinngrößen "geschönt".

