Die Enkel des "Commodore": Computerkunstparty Breakpoint in Bingen
06.04.2010 - BINGEN
Von Franziska Brichta
Ein Motorrad mit Feuerschweif fährt über dunkle Brücken, die hinter ihm zusammenstürzen. Im Innern eines Zuges heben und senken sich die glühenden Kolben, bevor der Zug entgleist und in ein schwarzes Nichts stürzt. Die Bässe der Musik scheinen die sich verändernde und bewegende Umgebung zum Vibrieren zu bringen.
Das sind keine Bilder eines nächtlichen Alptraums und auch nicht sie Szenen des nächsten Science-Fiction-Films. Es sind Ausschnitte einer so genannten Demo, die auf der 75 Quadratmeter großen Leinwand der „Breakpoint“ gezeigt wird. Die „Breakpoint“, die am Osterwochenende in der Rundsporthalle stattfand, ist die größte Computerkunstparty weltweit.
„Demos“ – Algorythmen und Befehle in Echtzeit
Hier demonstrieren Programmierer, Grafiker und Musiker ihr Können. Daher auch die Bezeichnung ihrer Kunstwerke. Demos sind keine Filme, die abgespeichert und dann abgespielt werden. „Das, was man sieht, wird in dem Moment vom Computer errechnet“, erklärt Tobias Heim, Vorstandsmitglied des Vereins „digitalekultur“. „Bild- und Toninformationen werden als Text in Form von Befehlen und Algorithmen von den Künstlern entwickelt und schließlich vom Computer umgesetzt.“
Ihre Wurzeln hat die Demoszene in den 80er Jahren, als der erste privat nutzbare Computer, der Commodore 64, auf den Markt kam. Mit ihm schafften es findige Programmierer den Kopierschutz von Spielen zu umgehen, was schnell zu einem Wettbewerb wurde. Jeder, der es schaffte, ein Spiel zu knacken, verewigte sich mit seinem Synonym in der Kopie. Diese Kennzeichnung nahm schließlich solche Ausmaße an, dass kleine Einleitungen, „Intros“, entstanden. „Die wurden auch immer aufwändiger und kunstvoller, sodass bald eigenständige Intros ohne Spiel, entwickelt wurden“, beschreibt Heim. „Heute sind das die „Demos“, die eben nichts mehr einleiten, sondern das Können der Künstler zeigen sollen.“
Darum geht es auch auf Veranstaltungen wie der „Breakpoint“: Grafiker, Programmierer und Musiker treten entweder in Einzeldisziplinen gegeneinander an oder vereinigen sich in Teams, um mit Demos am Wettbewerb teilzunehmen. Um die Vergleichbarkeit bei dieser sich ständig weiter entwickelnden Technik gewährleisten zu können, wurden künstliche Restriktionen in Bezug auf die Datengröße der Werke festgelegt.
Den Laien beeindruckt vor allem der audiovisuelle Teil des Werkes. Doch nur wer aus der Szene kommt oder selbst programmiert, kann erahnen wie viele Stunden Arbeit in den paar Minuten stecken, die die Demo andauert. „Wir haben viele Spieleentwickler unter unseren Teilnehmern“, sagt Heim, „andererseits haben die meisten ganz normale Berufe, wie Dachdecker, Klempner, sind Studenten oder Schüler.“
18 Stunden Arbeit bis zur Deadline
Spieleentwickler Stefan Schwarzien aus Hannover ist zum ersten Mal als Teilnehmer bei der „Breakpoint“ dabei. Hier hat er auch zusammen mit zwei Freunden, die im Bereich Medien- und Webdesign arbeiten, seine erste Demo entwickelt und präsentiert: „Von den letzten 24 Stunden, haben wir allein 18 Stunden an der Demo gearbeitet und sind gerade so zur Deadline fertig geworden.“ Sein Team gehört somit zu den wenigen, die erst vor Ort die Demo entwickeln. „Die meisten Teams fangen schon Monate vorher mit der Arbeit an der Demo an“, erklärt Simon Kissel, Organisator der „Breakpoint“ und Leiter eines mittelständischen Binger IT-Unternehmens.

