Von Janina Plato
Exakt 3038 Menschen kamen am Sonntag ins Kostheimer Bürgerhaus und ließen für den schwer erkrankten vierjährigen Fynn Schiebeler typisieren. Der kleine Kostheimer leidet an einer seltenen Form der Leukämie und nur eine Stammzellentransplantation kann ihm noch helfen.
„Es ist überwältigend – man kann das hier nicht in Worte fassen“, zeigt sich Hauptorganisatorin Kirsten Geiß von der Handballabteilung des TG Kastel, in der die Schiebelers Mitglied sind, sichtlich gerührt.
Ab 10.30 Uhr morgens reihen sich hunderte spendenbereiter Menschen aller Altersklassen in die meterlange Schlange vor der Tür ein. Geduldig rücken sie vorwärts, füllen das notwendige Formular aus, lassen sich registrieren und warten auf die Blutentnahme. „Die Leute sind alle sehr verständnisvoll und geduldig“, stellt Bardo Frosch, Gemeindereferent der Katholischen Pfarrgemeinde Sankt Georg in Kastel, zufrieden fest. Mit einem solchen Ansturm hat man nicht gerechnet. Bereits um 13 Uhr werden 1.500 Spender gezählt. Nur wer unter 18 oder über 55 Jahre alt ist, kann sich nicht typisieren lassen. „Viele haben aber Geld gespendet, Kinder sogar teilweise ihr Taschengeld“, erzählt Kirsten Geiß lächelnd. Die Laborkosten für die Typisierung pro Person liegen bei 50 Euro. Der Verkehr rund um das Bürgerhaus kommt angesichts der nur spärlich vorhandenen Parkplätze zeitweise zum Erliegen. Die Spender reisen bis aus Worms, Alzey, Bingen und Bad Kreuznach an.
Rund 30 Ärzte und Arzthelfer entnehmen ehrenamtlich sechs Milliliter Blut. „Das ist nur ein kleiner Piecks, man merkt es wirklich kaum“, berichtet Kirsten Weh-Folville aus Kostheim und krempelt ihren Pullover-Ärmel nach der etwa zweiminütigen Entnahme hinunter. Sie hat von der Aktion durch einen Flyer erfahren. Rund 10.000 wurden insgesamt seit Ende Januar in der Region und über das Internet verteilt.
Über 100 gespendete Kuchen sind bereits am frühen Mittag nahezu vollständig verkauft, so dass die rund 30 Helfer der Gemeinde St. Georg als Alternative Waffeln anbieten. „Mein Cousin spielt mit Fynn Handball und ich habe selbst einen zehnjährigen Bruder. Wenn er so etwas hätte, wüsste ich nicht, was ich tun würde“, beschreibt der 21-jährige Fabian Lauzi aus Schwabenheim den Grund für seine Teilnahme an der Typisierung. Familie Weingärtner aus Eltville hat von der Aktion in der Zeitung gelesen und findet die große Bereitschaft einfach toll. „Das Warten ist kein Problem“, versichern die Weingärtners.
Die Blutproben werden jetzt rund zwei Wochen lang auf Gewebemerkmale hin untersucht. Gibt es eine Übereinstimmung mit Fynn oder anderen Patienten weltweit, wird der Spender schriftlich kontaktiert. „Derzeit geht es Fynn den Umständen entsprechend gut. Wenn alles klappt, kann er wieder für ein paar Tage nach Hause kommen“, erzählt Kirsten Geiß.
In jedem Fall findet die Transplantation Anfang April statt. Wird kein passender Spender gefunden, greift man auf die Eltern zurück. Sie sind jedoch nur „dritte Wahl“.


Beim Hausarzt (drei Hinweise)
Ich kam zwar pünktlich, konnte aber nicht 1-2 Std. warten. Daher gab man mir ein Päckchen (dasselbe, das es von der DKMS per Post gibt, denke ich), mit dem ich heute Morgen beim Hausarzt war. Ging auch sehr schnell, auch der Versand ging fix. Drei Anmerkungen hätte ich dennoch (für die noch bessere Informationsweitergabe in Zukunft):
1) Der Arzt wollte erst die Praxisgebühr von 10€, obwohl die nicht bezahlt werden muss. Blöd.
2) Die 2.20€ für das Paket sind jetzt nicht viel, blöd fand ich aber dennoch, dass ich das zahlen musste, obwohl ich vor Ort gefragt hatte, ob Kosten auf mich zukommen (und das verneint wurde).
3) Die Einverständniserklärung ist juristisch unklar, wie mir scheint. Da ist von "ggf. für wissenschaftliche Zwecke" mein Blut aufheben und verwenden oder schwammig von "Nutzen" die Rede. Was darf die DKMS denn mit meinem Blut und meinen Daten machen? Damit habe ich mich im Hinblick auf den Datenschutz unwohl gefühlt. Ich möchte jetzt ja nicht in einer Werbepostdatei vom DRK landen. Wenn es nicht für Fynn und seine besseren Chancen gewesen wäre, hätte ich es mir, ehrlich gesagt, an dieser Stelle anders überlegt. Aber vielleicht hat mir ja nur ein klärendes Gespräch gefehlt. Und es sollte ja auch schnell und unkompliziert gehen gestern, was ich gut verstehe.