Tief "Xynthia": Kind und Rentner sterben - Bahnverkehr auch am Montag gestört
01.03.2010 - REGION
Traurige Bilanz des Sturmtiefs "Xynthia": Ein zwei Jahre alter Junge ist am Sonntag im südhessischen Biblis von Orkantief „Xynthia“ in den Fluss Weschnitz geweht worden und ertrunken. Das Kind ist das fünfte Todesopfer des Sturms in Deutschland, insgesamt gab es sechs Tote. Wie die Polizei in Heppenheim berichtete, hatte sich der Junge unbemerkt von einer Familienfeier auf dem Gelände eines Hundevereins entfernt. Am Ufer der Weschnitz habe ihn offenbar eine Böe erfasst. Erst etwa 45 Minuten, nachdem sein Verschwinden bemerkt worden war, fanden Rettungskräfte den Zweijährigen leblos im Wasser. Rettungsversuche blieben vergeblich.
In Taunusstein ist am Sonntag gegen 14.50 Uhr ein 69 Jahre alter Mann von einem umstürzenden Baum im Wald zwischen den Taunussteiner Stadtteilen Neuhof und Orlen erschlagen worden. Nach ersten Ermittlungen der Polizei war der Mann mit einer Wandergruppe trotz des heftigen Sturms im Wald unterwegs gewesen. Die Bergung des Toten erwiesen sich als schwierig, da weitere umgestürzte Bäume den Zugang der Rettungskräfte in den Wald erschwerten, so die Polizei weiter.
Massive Auswirkungen hatte "Xynthia" auf den Zugverkehr in der Region. Der Zugverkehr in der Region wurde am Sonntag weitgehend eingestellt - entweder aus Sicherheitsgründen oder wegen Schäden auf den Gleisen oder an den Oberleitungen. Der Frankfurter Hauptbahnhof wurde ebenso gesperrt wie der Bahnhof in Mainz. Zwischen Wiesbaden und Frankfurt fuhren auch keine Züge, weil die Oberleitung bei Wiesbaden-Ost beschädigt war. Am Montagmorgen konnte der Betrieb zwar auf vielen Hauptstrecken wieder aufgenommen worden, im Regionalbahnverkehr kommt es aber noch zu einigen Beeinträchtigungen. Der Flughafenbahnhof in Frankfurt wird wieder angefahren, die A3 sorgt aktuell noch für 25 Kilometer Stau - zwischen Bad Camberg und Wiesbadener Kreuz senkt sich auf der rechten Spur die Fahrbahn ab, die beiden rechten Spuren sind gesperrt. Am Frankfurter Flughafen mussten erneut 15 innerdeutsche Flüge gestrichen werden, Flugreisende sollen Verspätungen bis zu zwei Stunden einplanen.
So traf es Hessen:
In der Mainzer Straße in Wiesbaden ist ein Bauzaun auf eine Busspur umgestürzt. Auf der A66/B42 bei Walluf sind Autobahnschilder auf die Autobahn gestürzt - dort sollte eine Baustelle eingerichtet werden. Am Wiesbadener Kaufhof sind alle Werbebanner abgerissen und wehen auf die Straße. Aus Bad Schwalbach wird ein teilweiser Stromausfall gemeldet und den Kreisen Untertaunus und Main-Taunus sind die Feuerwehren im Dauereinsatz. Einige Straßen sollen hier wegen umgestürzter Bäume gesperrt sein. Auch in Rüsselsheim liegen Bäume auf der Straße.
Am Frankfurter Hauptbahnhof wurde aus Sicherheitsgründen und wegen Sturmschäden kurz nach 14 Uhr der Verkehr eingestellt, wie ein Bahnsprecher sagte. Die S-Bahnen fuhren aber weiter. Der Fernbahnhof am Flughafen wurde gegen 13.30 Uhr wegen umherfliegender Glassplitter vorsorglich gesperrt. Auf der Baustelle des Airrail-Centers – über dem Bahnhof – hatte der Sturm Baumaterial hochgewirbelt und gegen die Scheiben des Bahnhofs geschleudert. Auch die Autobahn 3 (Köln-Würzburg) zwischen Kelsterbach und dem Flughafen musste stundenlang gesperrt werden. Fassadenteile, Baumaterialien und Werbeplakate waren – ebenfalls von der Airrail-Center-Baustelle – auf die Straßen geweht worden. Etliche Dächer im Rhein-Main-Gebiet wurden abgedeckt. Mobile Toiletten flogen durch die Luft, Baustellen-Ampeln stürzten um und Bäume wurden entwurzelt und beschädigten parkende Autos und Fahrleitungen der Straßenbahn.

