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Allgemeine Zeitung

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Wie eine Familie an der Sekte zerbricht

30.03.2010

Von Patrick

SCIENTOLOGY ARD zeigt am Mittwoch das Drama "Bis nichts mehr bleibt" / Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten

T. Neumann

HAMBURG. Selten wirbelt ein Fernsehfilm so viel Staub auf: Schon Wochen vor der Ausstrahlung des Scientology-kritischen ARD-Dramas "Bis nichts mehr bleibt" (Mittwoch, 20.15 Uhr) gab es Aufregung um die Produktion des Südwestrundfunks (SWR). Denn der Film versucht erst gar nicht, dokumentarisch-objektiv zu sein; er nimmt eine starke Haltung ein. Die Scientology Organisation, die sich selbst als Kirche bezeichnet, wird ungeschönt und ohne Vorbehalte dargestellt als manipulierende, ausbeuterische Psychosekte, die Familien zerstört. Kein Wunder, dass Scientology Sturm läuft: Die ARD betreibe eine Diskriminierungskampagne, lautet ihr Vorwurf.

Anders als beim WDR-Film "Contergan", der erst nach langer juristischer Auseinandersetzung gezeigt werden konnte, gab es diesmal kein gerichtliches Vorspiel - obwohl Scientology schon häufiger juristisch gegen Kritiker vorgegangen ist und zuweilen Recht bekam. Doch dagegen sorgte die ARD vor. Scientology bekam vorher keine Möglichkeit, etwas über den Film zu erfahren. Die Dreharbeiten wurden streng geheim gehalten: Das Set wurde als "Tatort"-Drehort getarnt, die beteiligten Schauspieler nicht genannt. "Das war nötig, weil wir Menschen schützen mussten, die uns Informationen gegeben haben", sagt Produzent Nico Hofmann. Denn der Film basiert auf wahren Begebenheiten. Der Fall eines Hamburger Scientology-Aussteigers, der nach eigener Aussage seine Familie an die Organisation "verlor", sowie weitere Aussteiger-Berichte dienten als Grundlage für die ansonsten fiktive Geschichte von Drehbuchautor und Regisseur Niki Stein. "Er hat auch innerhalb von Scientology recherchiert und mit Scientologen, Ex-Mitgliedern und Fachleuten gesprochen", sagt der verantwortliche Fernsehfilmchef des SWR, Carl Bergengruen, und kontert damit einen Vorwurf von Scientology, die Filmemacher hätten lediglich "unzufriedene Ex-Mitglieder" und Gegner befragt, aber nie die Organisation angehört.

"Bis nichts mehr bleibt" ist die Geschichte einer Familie, die an Scientology zerbricht. Der Architekturstudent Frank (Felix Klare) findet in einer schwierigen Lebensphase zu Scientology, bekommt dort einen Job und gewinnt Selbstachtung. Seine Freundin Gine (Silke Bodenbender) ist zunächst skeptisch, doch dann wird sie zur 1-A-Scientologin. Das gemeinsame Kind kommt in ein Scientology-Internat. Zu spät erkennt Frank, dass Scientology sein Leben, seine Familie beherrscht; er sagt sich los, doch den Prozess ums Sorgerecht verliert er - gegen seine Frau und gegen Scientology, wie der hochkarätig besetzte Film nahelegt. Robert Atzorn und Sabine Postel spielen die besorgten Großeltern, Suzanne von Borsody kämpft als Anwältin für den Vater, Kai Wiesinger - aalglatt und überzeugt - steht auf der Gegenseite.

Scientology drehte eine Dokumentation für das Internet, in der die kritische Gesamtaussage des Films mit Hinweisen auf Detailfehler und Ungenauigkeiten topediert werden sollte. Es liegt in der Natur von Spielfilmen, dass sie Fakten zusammenziehen, Probleme verdichten, dabei übertreiben und akzentuieren - auch wenn ein Aussteiger den Film als "sehr realistisch" einschätzt. Doch selbst wenn nur die Hälfte des im Film Gezeigten der Realität entsprechen sollte, wird deutlich, warum der Verfassungsschutz Scientology seit 13 Jahren beobachtet.

Allein auf weiter Flur - der Architekturstudent Frank (Felix Klare) in den Fängen von Scientology. SWR/Christine Schroeder


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