Von Andreas Schermer
KONZERT Jan Delay hat sein Begleit-Orchester und das Publikum in Mainz im Griff
Party-Schalter auf "An" - sobald Jan Delay einen Fuß auf die Bühne setzt, lässt sich kein Begriff mehr bemühen wie "Anlaufphase". Der Hamburger zählt mittlerweile zu Deutschlands stärksten Musik-Entertainern. Nach seiner Phase als Hip Hopper in der Formation Absolute Beginner änderte er mit dem Album "Mercedes Dance" seinen Stil Richtung Funk und Soul, den er mit seiner Band Disko No. 1 auf dem aktuellen Album "Wir Kinder vom Bahnhof Soul" weiter verfeinerte. Aus dem großmäuligen Rapper ist dabei ein echter Überflieger in Sachen Entertainment geworden. Auch wenn viele dem Ziel dieses Wandels die "Credibility" absprechen, ist es eine Größenbescheinigung für ihn, die Steigerung zum Pop-Star geschafft zu haben. Dafür schont er sich nicht in seiner schweißtreibenden Show. Sein Markenzeichen, der gewöhnungsbedürftige näselnde Gesang, ist live weniger ausgeprägt - was nicht unbedingt als Manko empfunden wird.
Gleich einem DJ, der die Hit-Platten unbemerkt überblendet, so steuert der Oberstyler aus der Hansestadt sein höchst präzises Begleit-Orchester. Die Mitglieder des zehnköpfigen Ensembles in Glitzer-Kleidern und bonbonfarbenen Anzügen stellen sich in einem Freestyle-Rap selbst vor. In einem extremen Mix, der nur das Gesetz der Tanzbarkeit achtet, wird teils umgetextete Hit-Quintessenz von Falco, Nena, Backstreet Boys, MC Hammer oder Technotronic zitiert. Zeremonienmeister "Delay-Lama" hat mit dem Disco-Stick das Publikum in der ausverkauften Mainzer Phönixhalle im Griff.
Er treibt unermüdlich voran, fordert zum Mitsingen und Armeschweifen, lässt die Halle seitwärts tanzen oder auf dem Absatz kehrtmachen. Jan Delay ist für seine mitreißende Show bekannt - nicht nur zu solchen besonderen Anlässen wie dem 25-jährigen 3-Sat-Jubiläum. Aus dem Tanzflur-Klassiker "Can´t touch this" bastelt er das "Freeze"-Spiel, bei dem jeder zu tanzen hat, bis die Musik aussetzt.
Vom Disco-Dance bis zum akrobatischen Gitarrensolo gibt es im bewegungsfreudigen Bühnentreiben mit ausgefeilter Lichtregie viel zu sehen. Das Publikum lässt zum party-getunten "Oh Johnny" Kleidungsstücke über den Köpfen kreiseln und sorgt damit für beachtliches Windaufkommen im Haus. So brodelt die Tanzlaune bei Band wie Publikum bis zur letzen erschöpften Minute der Zwei-Stunden-Revue. Es bleiben keine Fan-Wünsche offen. Das Einzige, was gefehlt hat, war eine spiegelnde Discokugel.

