Intendanten verschoben ihn auf späten Abend / Heute läuft Streifen über Jugendgewalt
KÖLN (dpa) Lange nicht mehr hat ein TV-Film im Vorfeld der Ausstrahlung für so viel Ärger gesorgt wie "Wut". Auslöser war die Entscheidung einiger ARD-Intendanten, das Drama aus Jugendschutzgründen von Mittwoch, 20.15 Uhr, auf diesen Freitag um 22 Uhr zu verschieben.
WDR-Intendant Pleitgen ist wegen der Verschiebung sauer: "Ich bin zornig." Dies sei ein Film für junge Menschen, zeige eine Realität, wie sie vielen Kindern und Jugendlichen begegne, die die Erwachsenen nicht wahrhaben wollten. Der Regisseur nennt die Verschiebung "schade und bedauerlich". Jugendliche hätten die Darstellung ausgehalten. Medien hätten die Szenen dramatisiert. Hauptdarsteller Oktay Özdemir meint: "Wir wollten nicht provozieren. Wir wollten zeigen, was mal gezeigt werden muss." Autor Max Eipp: "Ich glaube, dass das Fernsehen viel zu ängstlich ist, nicht politisch korrekt zu sein." Heute Abend kann sich der Zuschauer sein eigenes Bild über den Film machen, der Gewalt unter Jugendlichen thematisiert. Hauptfigur ist Mittelstandskind Felix Laub (Robert Höller). Er hat Ärger mit dem türkischen Mitschüler Can (Oktay Özdemir), dessen Bande ihm die Turnschuhe raubt. Vater Simon (August Zirner) ist Literaturprofessor, Mutter Christa (Corinna Harfouch) Immobilienmaklerin. Felix genießt Liebe, Bildung und Wohlstand. Ihm gegenüber steht Can, Kind türkischer Immigranten, der aus Neid und Hass den Mitschüler abzockt. Vater Laub versucht Can friedlich zum Aufhören zu bewegen - erfolglos, die Konfrontation nimmt zu. Der vermeintlich liberale und tolerante Vater gerät in einen Strudel nicht beherrschbarer Wut. Es folgt Rache auf Rache. Regie führte der deutsch-türkische Regisseur Züli Aladag, der Gefühle und Kontrollverlust beider Seiten erzählt, für einige Intendanten zu authentisch. Wegen des Jugendschutzes habe es keine andere Chance gegeben, als den Sendetermin zu verschieben, nachdem die Jugendschutzbeauftragten der früheren Ausstrahlung widersprochen hätten, so ARD-Chef Gruber. Er nennt es "müßig", der ARD "fragwürdige Motive für diese Entscheidung zu unterstellen". Kritiker mutmaßen, dass der Film verschoben würde, weil er nicht politisch korrekt sei: So würde das Böse von einem Türken verkörpert, das Gute von dem Deutschen.

