Von Markus Lachmann und Bernd Funke
Demonstrationen gegen Europakongress der Republikaner in Mainz bleiben friedlich
Die rund 100 schwarz gekleideten "Autonomen" bleiben in der Minderzahl. Gut abgeschirmt von Bereitschaftspolizisten marschieren sie vornweg - durch die Mainzer Innenstadt bewegt sich ein Zug von mehr als 2000 Demonstranten, die ihren Protest gegen den Europakongress von Republikanern, österreichischer FPÖ und belgischer Vlaams Belang in der Rheingoldhalle auf die Straße tragen. Die Rednerliste bei der Abschlusskundgebung vor der Kongresshalle ist lang. Vom historischen Eisenturm weht den Rechten das auf Geheiß des Mainzer Oberbürgermeisters gehisste Banner "Sie sind nicht willkommen" entgegen. Und während Heike Hensel, Bundestagsabgeordnete der Linken, "globale soziale Rechte für alle" fordert und für ein "solidarisches Europa der Regionen" wirbt, wird Grünen-Chefin Claudia Roth ganz konkret. Die in Artikel 1 der Verfassung festgeschriebene Unantastbarkeit der Würde des Menschen "gilt für alle Menschen in diesem Land. Es gibt keine Menschen erster, zweiter und dritter Klasse!" Nein, sie möchte nicht in einem Land leben, in dem die Rechte von Juden und Moslems, Schwulen, Lesben oder Obdachlosen mit Füßen getreten würden. Und sie sei gegen eine Politik, in der entwarnt und schön geredet werde. "Wir haben ein Problem in diesem Land", so Roth. Die Republikaner wollten "das Gegenteil von Demokratie und Verfassung. Sie schaffen ein Klima von Hass." Der Europakongress sei eine "Ansammlung von Holocaust-Leugnern, Volksverhetzern, Straftätern und Antisemiten". In der Rheingoldhalle herrscht eine Atmosphäre, die an eine Mischung aus Kreppelkaffee und Treffen der Briefmarkenfreunde erinnert. Auf den Tischen flattern kleine Deutschland-Fähnchen. Brötchen und Kaffee werden von Parteimitarbeitern verkauft - ein Caterer hatte sich nicht gefunden. In den Pausen spielt eine Band Lieder wie "Marina" oder "Ein Bett im Kornfeld". "2000 Demonstranten sind nicht repräsentativ für die Stadt Mainz", antwortet Republikaner-Chef Rolf Schlierer verbissen auf die Frage, ob er sich willkommen fühlt. Mehrfach betont der Schwabe, seine Partei stehe auf dem Boden von Demokratie und Verfassung - im Gegensatz zu den "vermummten Anti-Chaoten" und "gewaltbereiten Linksfaschisten" draußen. Und immer wieder beteuert Schlierer, keine gemeinsame Sache mit der NPD machen zu wollen. Genau das hatte ein Wochenmagazin zuvor berichtet. "Europa der Nationen" heißt der Titel der Veranstaltung. Schlierer wettert gegen die "Eurokraten" aus Brüssel, fordert einen "europäischen Staatenbund, der seine Stärke aus der nationalen Vielfalt und nicht aus einem multikulturellen Einheitsbrei schöpft". Dann geht es ans Eingemachte. Der Redner nennt einen EU-Beitritt der Türkei "Wahnwitz", fürchtet die "schleichende Landnahme" der Türken in Deutschland. Schlierer sympathisiert mit Forderungen, "alle türkischen Vereine in Deutschland zu verbieten und zu schließen", und sagt schließlich: "Früher standen sie vor Wien und heute im Aldi." Das Publikum im Saal grölt. Zuvor hat der Vorsitzende der belgischen "Vlaams Belang", Filip DeWinter, die Massen aufgeheizt. "Der Islam bedroht Europa", sagt er zu den "Kameraden". DeWinter spricht von einem "Einwanderungs-Tsunami", der "Vertreibung von Schweinefleisch aus Schulküchen". Multikulturell bedeutet für ihn "multikriminell". Bizarr auch sein Bekenntnis zur Familie: "Unsere Macht und Kraft liegt im Mutterschoß unserer Frauen." Moscheen wüchsen wie "Schwammerl" aus dem Boden, findet auch Heinz-Christian Strache, Vorsitzende der FPÖ. Mit seinen Sprüchen über Homosexuelle erntet er Applaus. Einen kleinen Zwischenfall gibt es gegen Mittag: Dem bayerischen Bundesvize der Republikaner, Johann Gärtner, fällt bei seiner Rede das Gebiss aus dem Mund. Die "Kameraden" stört das nicht.

