Nürburgring: Drei-Millionen-Darlehen aus Landesmitteln war nicht abgesichert
04.09.2010 - NÜRBURG
Von Markus Lachmann
In der Affäre um die Nürburgring-Finanzierung fällt immer häufiger der Name Kai Richter. Der smarte Düsseldorfer Geschäftsmann, mittlerweile Betreiber am Ring, soll kräftig mit Landesmitteln gestützt worden sein – und ebenso kräftig abkassiert haben. Eine Finanzspritze aus Steuergeldern erhielt er unter anderem im Oktober 2008: Die landeseigene Nürburgring GmbH half dem Unternehmer mit einem Darlehen von drei Millionen Euro aus der Patsche. Dokumente der Nürburgring GmbH, die dieser Zeitung vorliegen, belegen: Der Kredit, gezahlt aus Landesmitteln, war für einen kurzen Zeitraum nicht abgesichert. Zudem war der damalige Wirtschaftsstaatssekretär und heutige Finanzminister Carsten Kühl (SPD) offenbar besser informiert als bislang bekannt.
„Bis zu 6000 Menschen gleichzeitig können sich Tag und Nacht in zehn verschiedenen Locations amüsieren und gas¬tronomisch verwöhnen lassen“ – so wirbt der Nürburgring heute auf seiner Homepage für das Eifeldorf „Grüne Hölle“. Im Herbst 2008 jedoch war das Projekt, hinter dem der Unternehmer Kai Richter steht, gefährdet, ebenso ein geplantes Feriendorf im benachbarten Drees. Der Grund: Die finanzierende Bank – die Bank für Tirol und Vorarlberg – hatte den zugesagten Kredit für 56 Millionen Euro zurückgezogen.
Mittel nahmen seltsamen Umweg
Die Bauten drohten nicht mehr rechtzeitig zur Eröffnungsfeier des neuen Nürburgrings am 9. Juli 2009 fertig zu werden. Also half die Nürburgring GmbH, die zu 90 Prozent dem Land Rheinland-Pfalz gehört, mit einem Darlehen von drei Millionen Euro aus – Landesmittel. Das Geld sollte an Richters Tochtergesellschaft MSR (Motorsport Resort GmbH) fließen und über zwei Grundstücke grundbuchlich abgesichert werden. Die Mittel nahmen allerdings einen seltsamen Umweg, über eine Gesellschaft mit Namen Pinebeck, die sich eine Provision von fast 60000 Euro abzweigte. Eingefädelt hatte dies offenbar der damalige Ring-Geschäftsführer Walter Kafitz. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Koblenz: Es geht um den Verdacht der Untreue beziehungsweise der Beihilfe dazu.
Der Vorwurf: Diese und andere Gelder flossen über Umwege zu Richter, um zu verschleiern, dass sie aus staatlichen Mitteln stammten. Und deshalb mussten offenbar die Verträge abgeändert werden – denn ursprünglich sollte der Drei-Millionen-Kredit direkt an die MSR und nicht über die Pinebeck fließen. „Die steuerlichen Gründe, die für diese Änderung sprechen wollen, sind für mich, jedenfalls ohne nähere Erläuterungen, nicht nachvollziehbar“, wundert sich ein Rechtsanwalt der Bonner Kanzlei Redeker, die den Ring beriet. Sein Schreiben an die Nürburgring-Verantwortlichen datiert vom 14. Oktober 2008. Auch der ursprüngliche Passus, „Darlehensauszahlung erst nach Erhalt der Grundschuldbriefe“, wurde offenbar gestrichen.
Deubel und Kühl umfangreich über Zwischenfinanzierung informiert
Der Anwalt weist darauf hin, dass das Darlehen ungesichert sei:„Anders als üblich, besteht nun ein gewisser Zeitraum von zirka 2–4 Wochen, in denen NG (Nürburgring) noch nicht im Besitz des Grundschuldbriefes ist, also insoweit ungesichert ist.“
Nicht nur Finanzminister Deubel, auch der damalige Wirtschaftsstaatssekretär Kühl, der im Ring-Aufsichtsrat saß, ließ sich umfangreich über die „Zwischenfinanzierung“ informieren. Kühl schickte einen Fragenkatalog mit elf Punkten an Ring-Finanzvorstand Lippelt und Controller Nuss-Kaltenborn. Zwar waren die Fragen durchaus kritisch. Auch war im Antwortschreiben der Nürburgring GmbH vom 12. Oktober 2008 nicht die Rede von den verschlungenen Wegen, die das Darlehen nehmen sollte. Unangenehme Fragen dürften auf Kühl aber dennoch zukommen, nicht nur bei diesem Thema.

