Worms: Gewaltbereitschaft der „Black Jackets“ hat die Polizei offenbar überrascht
25.02.2012 - WORMS
Von Frank Schmidt-Wyk
„Gewalt ist keine Lösung.“ Dieser Satz fiel in einem Interview, das Mitglieder der Street Gang „Black Jackets“ aus Worms und Germersheim im Herbst vergangenen Jahres der Motorradzeitschrift „Bikers News“ gaben. Ein Satz, der mal wieder die Diskrepanz zwischen der friedfertigen Außendarstellung solcher Gruppierungen und ihrem tatsächlichen Auftreten offenbart.
Denn es waren „Black Jackets“, die sich am vergangenen Wochenende in Worms einen handfesten Bandenkrieg mit einer Gruppe von Albanern lieferten. Die Auseinandersetzung gipfelte am Sonntagabend in eine Schießerei und Prügelei auf offener Straße, mindestens 20 Personen sollen beteiligt gewesen sein, bewaffnet mit Schusswaffen, Messern und Baseballschlägern. Die trübe Bilanz des Gewaltexzesses: Sieben Verletzte. Hintergrund der Konfrontation soll ein erbitterter Konkurrenzkampf zwischen den „Black Jackets“ und Albanern in der Türsteherszene sein.
Wurzeln in Baden-Württemberg
Die „Black Jackets“ sind eine Street Gang, organisiert nach dem Muster von Rockerclubs wie den „Hells Angels“, „Bandidos“ oder „Outlaws“, wie dort heißen die örtlichen Gruppierungen „Chapter“, der jeweilige Chef trägt den Titel „President“. Etliche Mitglieder fahren zwar auch Motorrad, doch spielt die Bikerkultur eine eher untergeordnete Rolle. Aktuell listet die Homepage www.black-jackets.com 36 Chapter in Deutschland auf, weltweit sind es 55.
Keimzelle der „Black Jackets“ ist das etwa 50.000 Einwohner zählende Städtchen Heidenheim im Osten Baden Württembergs, wo sich 1985 junge Männer verschiedener Nationalitäten zusammenschlossen – auch, um eine geschlossene Abwehrfront gegen die erstarkende Neonazi-Szene zu bilden. Ihr Erkennungszeichen: schwarze Bomberjacken mit dem aufgenähten Schriftzug „Forever Friends“ und dem comichaft stilisierten Logo einer zähnefletschenden Bulldogge. Zwar sind die nach wie vor ausgesprochen multikulturell geprägten „Black Jackets“ inzwischen stark expandiert, doch ihr Schwerpunkt ist Baden-Württemberg geblieben. Und nach wie vor kommt der „World President“ aus Heidenheim.
Vor allem im Stuttgarter Raum fielen Mitglieder der „Black Jackets“ schön des Öfteren mit Gewalttaten auf. Das Wormser Chapter der „Black Jackets“ zählt nach Erkenntnissen des Landeskriminalamtes in Mainz 20 bis 30 Mitglieder und wurde im vergangenen Jahr aufgemacht – als zweites in Rheinland-Pfalz, neben dem in Germersheim. Vor allem zwei Lokalitäten in der Wormser Altstadt werden mit den „Black Jackets“ in Verbindung gebracht: ein Tattoo-Studio in der Rheinstraße und eine Gaststätte in der Bärengasse, die der Gang als Stammkneipe dient.
„Heftigkeit war so nicht zu erwarten“
Von Anfang an habe man das Wormser Chapter aufmerksam im Auge behalten, sagt Gerald Gouasé, Abteilungsleiter im LKA, doch bis zum vergangenen Wochenende seien keine gravierenden Auffälligkeiten zu verzeichnen gewesen. Die Heftigkeit der Auseinandersetzung mit den Albanern sei „so nicht zu erwarten“ gewesen. Über die näheren Hintergründe könne er zur Zeit keine Angaben machen, sagte Gouasé und verwies auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und des Polizeipräsidiums Mainz.
Den „Black Jackets“ werden grundsätzlich enge Verbindungen zur Türsteher-Szene nachgesagt. Auch das wurde allerdings im Interview mit der „Bikers News“ von einem Mitglied sogleich relativiert: „Natürlich stehen einige unserer Jungs an der Tür. Uns aber als ‚Türsteher-Organisation‘ zu bezeichnen, halte ich persönlich für falsch. Unsere Leute haben alle möglichen Jobs, unter anderem eben auch als Türsteher.“


