Von Markus Lachmann
Natascha, 21 Jahre alt, klingt entschlossen: Es sei doch nichts schöner, als eine solche Aktion im Kreis von Freunden, in der Natur, durchzuziehen. “Ich habe mir das sehr gut überlegt", sagt sie im Gespräch mit der Allgemeinen Zeitung. “Dieser Platz hier hat mir sehr, sehr viele schöne Momente gegeben." Seit genau einer Woche ist die Umweltaktivistin nach eigenen Angaben im Hungerstreik, in einem kleinen Zeltcamp am Rande des Kelsterbacher Waldes, das offiziell “Mahnwache" heißt.
Die 21-Jährige fordert nicht weniger als den sofortigen Stop der Bau- und Rodungsarbeiten zur neuen Nordwest-Landebahn. Eine 17-Jährige mit Namen Sonja hat sich dem angeblichen Hungerstreik angeschlossen, wie auf der Internetseite der “Waldbesetzer" nachzulesen ist. Das bedeutet laut Natascha auch: Keine Zigaretten, kein Alkohol, keine Flüssigkeiten auf tierischer Basis.
Hungerstreik als PR-Coup?
Eine lebensbedrohende Aktion oder doch ein PR-Coup der letzten verliebenen15 “Waldbesetzer"? Der Sprecher des Polizeipräsidiums Frankfurt, Jürgen Linker, lässt Skepsis durchblicken. “Wir konnten das bisher nicht verifizieren und sehen das auch nicht als erforderlich an." Grund zum Eingreifen der Polizei gebe es nicht. Soweit er wisse, hielten sich bei der Mahnwache nur Erwachsene auf. “Die sind alt genug um zu wissen, was sie tun", erklärt der Polizeisprecher, und weist zudem darauf hin, dass die Stadt Kelsterbach bzw. deren Ordnungsamt für die Mahnwache zuständig sei.
Die Wache ist offiziell bei der Stadt angemeldet und genehmigt. Der Kelsterbacher Bürgermeister Manfred Ockel (SPD) richtete an die anderen Teilnehmer der Mahnwache den “dringenden Appell", auf die beiden Frauen einzuwirken, nicht ihre Gesundheit zu schädigen. Er habe mit der Polizeidirektion Frankfurt Kontakt aufgenommen. “Die Polizei hatte den Eindruck, die beiden Frauen meinen es ernst." Die Veranstalterin der Mahnwache sei deshalb von der Polizei auf ihre Fürsorgepflicht hingewiesen worden. Dazu zähle es auch, einen Arzt einzuschalten.
Derzeit harren rund 15 Aktivisten in der Mahnwache aus, die in Nähe der “gelben Grundschneise" liegt, nicht weit vom Gelände des Chemiewerks Ticona entfernt. Sie schlafen in Zelten, schützen sich mit Plastikplanen gegen den Regen. Grund des “Hungerstreiks" ist nach ihren Angaben die Wiederaufnahme der Rodungsarbeiten für die neue Nordwestbahn am 1. September - dem Ende der Brutperiode.
Entschlossenheit auf beiden Seiten
Nach Angaben von Fraport sollen die restlichen Rodungsarbeiten bis Ende September abgeschlossen sein. Das Gebiet ist weiträumig abgesperrt, die Aktion am Waldrand hat darauf keinen Einfluss. Fraport will den angeblichen Hungerstreik nicht kommentieren, wie Sprecher Jürgen Harrer sagt. “Wir wollen zeigen, dass Fraport über Leichen geht", erklärt Natascha, die aus Hessen kommt und auch schon beim eigentlichen Besetzercamp im Wald dabei war. Dieses war im vergangenen Jahr eingerichtet, dann aber geräumt worden.
Eigens für die Proteste im Kelsterbacher Wald ist die 21-Jährige nach Rüsselsheim gezogen. Was sie sonst macht, wenn sie nicht gegen den Flughafenausbau protestiert? Dann demonstriere sie gegen Atomkraftwerke, Massentierhaltung oder Neonazi-Aufmärsche. Die 21-Jährige sieht keine Notwendigkeit für den Bau der Piste im Kelsterbacher Wald, zumal sich nun auch der Bau des Terminals 3 verzögere. Mit der Aktion zeige sie sich mit den Bäumen solidarisch, selbst wenn es für sie im Wald zu Ende gehe.

