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FDP 

Wolfgang Gerhardt spricht im Interview über die Lage der FDP

19.06.2010 - WIESBADEN

Von Christoph Risch

Das sehe ich so nicht, auch wenn darüber viel spekuliert wird. Ich gehe davon aus, dass die Kanzlerin die Koalition mit der FDP will. Ich denke eher, dass sie Probleme hat, das auch in den eigenen Reihen zu vermitteln.

Wie stark nehmen Sie den Vorsitzenden Westerwelle in die Verantwortung für die gegenwärtige Lage?

Westerwelle steht mir zu alleine in der Diskussion. Wir haben eine neue Fraktionsführung, wir haben ein Bundespräsidium, wir stehen alle in der Verantwortung, mich eingeschlossen.

Kann sich eine Partei einen Vorsitzenden leisten, der in der Wählergunst so tief abgesackt ist?

Es gibt immer Hochs und Tiefs. Westerwelle weiß selbst, dass er sich aus einer schwierigen Situation wieder herausarbeiten muss.

Wie kann er das schaffen?

Das ist seinem Geschick und seinen politischen Fähigkeiten überlassen. Ich gebe dazu keine öffentlichen Ratschläge.

Die Parteibasis begehrt auf, der Frust wächst auch in Ihrem eigenen Landesverband in Hessen. Haben Sie dafür Verständnis?

Natürlich habe ich Verständnis. Aber die Frage ist doch, was wir jetzt tun, um dem Ärger abzuhelfen.

Könnte das auf einem Sonderparteitag geschehen, auf dem, wie gefordert, Westerwelle abgelöst wird?

Von einem Sonderparteitag halte ich nichts. Das Problem ist durch Diskussionen alleine nicht zu lösen. Ich gehe davon aus, dass sich auch die Antragsteller heute auf dem Landesparteitag darüber im Klaren sind. Personaldebatten führen uns überhaupt nicht weiter. Wichtig ist zu zeigen, dass wir aus der Krise gelernt und den Willen haben, das Ruder herumzuwerfen.

Die Wahl des Bundespräsidenten wird zur Schicksalsfrage für die Kanzlerin stilisiert. Ist das dem hohen Amt nicht abträglich?

Es gibt bei Wahlmännern und Wahlfrauen immer wieder Motive, die ich nicht ergründen will. Herr Wulff ist ein respektabler Kandidat, er hatte in dieser Woche einen guten Auftritt in der Fraktion. Aber auch Joachim Gauck ist ein charaktervoller, gebildeter Mann.

Das macht die Wahl schwer?

Ich fordere erst einmal einen respektvollen Umgang mit dieser Wahl. Da darf es kein Freund-Feind-Schema geben. Am Ende muss bedacht werden, wen man möchte und welche Konsequenz die Entscheidung hat.

Wolfgang Gerhardt

Wolfgang Gerhardt. Archivfoto: dpaVergrößern

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