Nur eine Transplantation kann Fynns Leben retten
10.02.2010
Von Kirsten Strasser
TYPISIERUNGSAKTION Vierjähriger Junge leidet an seltener Form von Leukämie
MAINZ-KOSTHEIM. Einmal ein Tigerbaby streicheln. Als Cowboy auf die Fastnacht gehen. Gut auf den kleinen Bruder aufpassen, weil der doch erst eineinhalb ist. Noch ganz viele Schollenfilets essen, weil die besser schmecken als alles andere. Ein so guter Handballer wie Papa werden. Fynn, vier Jahre alt, hat so viele Gründe, weiterzuleben. Doch der Wettlauf mit der Zeit hat begonnen. Der kleine Junge aus Mainz-Kostheim leidet an einer seltenen Form von Leukämie - und nur eine Stammzellentransplantation kann sein Leben retten. Familienangehörige kommen als Spender leider nicht in Frage; nun setzen Fynns Eltern, Nicole und Kai Schiebeler, alle Hoffnung in eine Typisierungsaktion. Je mehr Menschen sich am 28. Februar im Kostheimer Bürgerhaus testen lassen, um so größer ist die Chance, dass ein passender Spender darunter ist.
Derzeit geht es Fynn gut. Er hat gerade eine Chemotherapie hinter sich und durfte die Uniklinik für ein paar Tage verlassen; er genießt es sichtlich, zu Hause zu sein. Und auch Nicole und Kai Schiebeler sind glücklich, ihren "Großen" daheim zu haben - ein Aufatmen nach den vielen Wochen im Krankenhaus. "Es ist schön, ihn so zu sehen", sagt Nicole Schiebeler und streicht ihrem Sohn, der in einem Cowboy-Kostüm steckt, über den Kopf. "Vor ein paar Wochen war er ein Häufchen Elend."
Das Unglück brach Mitte November über die Familie herein. Fynn bekam unerklärliche Blutergüsse am ganzen Körper, sein Bauch schwoll immer mehr an, dem Kind ging es von Tag zu Tag schlechter. "Am Ende", sagt die Mutter, "kam er nicht mal mehr eine Treppe hoch." Die Eltern, die Ärztin schoben es zunächst auf die gerade verabreichte Schweinegrippeimpfung. Doch als sich Fynns Zustand immer weiter verschlechterte, überwies ihn die Kinderärztin schließlich ans Uniklinikum. Dort stellte ein Arzt am 10. Dezember die Diagnose: Fynn leidet an akuter myeloischer Leukämie, die bei Kindern sehr selten auftritt.
"Wir waren im Schockzustand", erinnert sich Kai Schiebeler. Das Leben der Familie wurde auf den Kopf gestellt - Fynn musste gleich im Krankenhaus bleiben. Seitdem ist nichts mehr, wie es war. Nicole Schiebeler verbringt die kompletten Tage bei Fynn in der Klinik, Vater Kai fährt jeden Abend nach der Arbeit hin; die beiden Großmütter kümmern sich praktisch rund um die Uhr um Fynns kleinen Bruder Ole.
Was den Eltern Halt gibt, ist die "riesige Welle der Hilfsbereitschaft", sagt Kai Schiebeler. Angehörige und Freunde sind immer da; "es ist Wahnsinn, was da läuft". Mitglieder der TG Mainz-Kastel, in der die Schiebelers aktiv sind, haben die Typisierungsaktion initiiert, die von der Deutschen Stammzellenspenderdatei des DRK-Blutspendedienstes unterstützt wird. "Wir müssen uns um nichts kümmern, können uns ganz auf unser Kind konzentrieren."
In ein paar Tagen wird der Vierjährige wieder ins Krankenhaus müssen; die nächste "Chemo" steht an. "Wir stehen das durch", sagen die Eltern. Aber manchmal ist es richtig hart. Zum Beispiel, wenn Fynn seine Mutter fragt, warum sie denn so traurig aussehe. "Da wird mir bewusst, wie viel er mitbekommt - auch, wenn wir versuchen, ihn so gut es geht zu schützen", sagt Nicole Schiebeler. Doch sie weiß auch: Fynn ist ein Kämpfer. Der noch nicht mal vor Raubtieren Angst hat: "Was ich am allerallermeisten will", erklärt er, "ist, ein Tigerbaby zu streicheln."

