Von Andreas Schermer
GRIECHISCHER BLUES George Dalaras in Höchst
Rembetiko gilt als der Blues Griechenlands. Der wirtschaftliche Blues des Mittelmeerstaats ist derzeit in aller Munde, und weil Angela Merkel die drastischen Sparmaßnahmen seines Landes forciert, widmet der Sänger George Dalaras der deutschen Kanzlerin ironisch ein Traditionsstück mit der sinngemäßen Übersetzung "Manche wollen mich mit leeren Taschen sehen". Die Reaktion des deutsch-griechisch gemischten Publikums ist gespalten und verhalten. Selbst seinen Landsleuten scheint bei diesem Konzertabend in der Höchster Jahrhunderthalle der Sinn nicht nach politischen Beschuldigungen zu stehen.
Eindeutiger wird die Publikumsmeinung, als die "goldene Stimme Griechenlands" ihre sehnsüchtigen Melodien über Romanzen, Emigrantenschicksale und Heimweh singt. Dafür ist der Tenor aus Piräus berühmt, und dafür würde ihm das Hellenenvolk nach 40-jähriger Karriere bedingungslos einen Platz im Olymp gönnen.
Der 60-Jährige genießt ein internationales Renommee, er stand parkettsicher schon an Seite von Größen wie Sting, Bruce Springsteen, Peter Gabriel oder Herbert Grönemeyer. Für seine "Encore"-Tour hat er eine durch und durch griechische Show versprochen. Ein elfköpfiges Orchester prägt den folkloristischen Charakter mit Akkordeon, Flöte, Bouzouki und Kniegeige. Neben den traditionellen Elementen pflegt Dalaras mit Schlagzeug, E-Bass und Saxofon in der Instrumentalbesetzung einen modernen Umgang mit der überkommenen Musik, wodurch er auch außerhalb des Landes breiten Zuspruch findet.
Die Musiker beeindrucken allesamt mit Improvisationstalent. Als Gaststars sind der kretische Lauten-Virtuose Michalis Tzouganakis und die zypriotische Sängerin Despina Olympiou beinahe ebenbürtig präsent. Als Duett-Partnerin setzt die attraktive Sopranistin im rosa Abendkleid stimmlich wie optisch einen Farbtupfer.

