Auf Tuchfühlung mit Howie
05.05.2010 - FRANKFURT
Von Andreas Schermer
KONZERT Howard Carpendale präsentiert sich in Frankfurt kompromissloser als früher
Howard Carpendale-Fans wissen spätestens seit seinem Comeback-Album, dass ihrem Idol nichts über das "20 Uhr 10"-Gefühl geht. Seine tradierte Auftrittszeit wird drei Minuten lang eingeklatscht, und auf die Sekunde gibt ihn das Scheinwerferlicht preis. Eigentlich hatte er sich ja 2003 aus dem Musikgeschäft zurückgezogen, doch die Bühne fehlte ihm. Das Leben ohne Rampenlicht ist nicht seines, und so rechtfertigt der 64-Jährige mit der Eröffnung "Das bin ich nicht" seine Verweigerung des Rentnerlebens.
Er ist nach all den Jahren der Abwesenheit keineswegs in Vergessenheit geraten, sondern erfährt im Gegenteil einen ungebrochenen Zuspruch, durch den sich Arenen wie die Frankfurter Festhalle füllen.
Das Markenzeichen des gebürtigen Südafrikaners ist sein englisch-französisch säuselnder Akzent, in dem er seine Text-Statements deutlich kompromissloser formuliert als früher. Die Songs des neuen Albums "Stark" strotzen vor Selbstachtungs-Motivation oder haben vermehrt eine autobiografische Unternote.
Über lyrische Jugendsünden wie seine "Schubi dam dam"- und "Lulelalelula"-Reime geht er eher flüchtig hinweg, und das ist auch besser so. Es gibt noch diesen anderen Howard Carpendale, der die mysteriöse Geschichte vom Geistertanz mit der seit hundert Jahren toten "Laura Jane" erzählt oder sich musikalisch vor US-Präsident Obama Barack verneigt.
Nach eigener Aussage hasst er Kitsch, und so scheinen in der Tat die ganzen Schnulzen-Klassiker wie "Samstag Nacht", "Du fängst den Wind niemals ein" oder "Deine Spuren im Sand" nicht nur ob ihrer Quantität in einem Aufwasch als Medley verpackt zu werden, um Fan-Erwartungen zu erfüllen.
Andauernd darf der Charmeur Blumen, Plüschtiere und Wäschestücke entgegennehmen und Fotos signieren. Zwischen den Songs erzählt er nette Witze und plaudert selbstironisch über Sex, Golfspielen und das Älterwerden. Vor seiner eigentlichen Karriere versuchte er sich mit eher beschaulichem Erfolg als Elvis-Imitator. Doch um die Fans durch eine nette Parodie mit aufgestelltem Hemdkragen bei "Alice" zu erheitern, ist das heute allemal noch gut.
Die Bandmitglieder können zur donnernden Einleitung der zweiten Programmhälfte bei "Let me entertain you" von Robbie Williams an ihren Instrumenten mühelos mit exorbitanten Fertigkeiten auftrumpfen, die im Repertoire des Abends wenig gefordert werden. Howie sagt einfach "Hello again".

