Von Mara Braun
FERNSEHFILM Das Leben der Romy Schneider mit Jessica Schwarz
Als die ersten Minuten des ARD-Films "Romy" über den Schirm flimmern, glaubt man beinahe, "Heidi" eingeschaltet zu haben: diese Idylle! Das Panorama! Und inmitten der Berge Klein-Romy (Stella Kunkat), die dem Großvater strahlend verkündet, sie habe Blumen gepflückt - für ihre Mutti. Denn die werden beide nun besuchen, heißt: ihren neuen Film im Kino anschauen.
Freilich wären aber die Bilder vom satten Grün der Wiesen, dem geflochtenen Schopf des Mädchens und dem zärtlichen Blick des Großvaters bei "Heidi" nicht im Wechsel mit einer nächtlichen Fahrt durch Paris geschnitten - "La Schneider", gekrümmt auf dem Rücksitz eines Taxis, auf dem Weg ins Krankenhaus im Jahr 1981.
In dieser kurzen Eröffnungssequenz werden die Säulen, auf denen der Film Schneiders Leben ruhen lässt, klar aufgestellt: Die Idylle, aus der sie kommt, die auch den Ruhm ihrer frühen Filme begründet - sie aber nicht satt macht. Daneben das schnelle, scheinbar freie Leben in Frankreich, in dem sie keine Heimat findet. Und über allem schwebend - ihre Einsamkeit, von frühester Kinderzeit an.
Und diesen drei Säulen wird der Film auch gerecht: im unschuldigen Wesen der kindlichen Romy, in der staunenden Naivität der Heranwachsenden (Alicia von Rittberg) und schließlich der verletzten Eitelkeit der Erwachsenen (Jessica Schwarz), die sich von Alain Delon nicht so geliebt und vom Publikum nicht so verehrt fühlt, wie sie es bräuchte, um ihre Einsamkeit zu überwinden. TV-KRITIKEs ist diese Einsamkeit, die so schnell in Trotz und Spott umschlägt, die Jessica Schwarz am beeindruckendsten vermittelt. Offen und verwundbar überlässt die Schauspielerin ihr Gesicht dem Zuschauer, um darin zu lesen, was im Drehbuch von Benedikt Röskau keinen Platz fand. Denn - und das ist das große Manko dieser über weite Strecken sehr gelungenen Annäherung an Romy - über die Einsamkeit geht der Einblick in ihre Zerrissenheit nie hinaus: Probleme mit Alkohol, Tabletten und ihre nicht enden wollende Furcht vor der nächsten Bühne, dem nächsten Dreh, werden lediglich gestreift.
Stärken des Films sind seine Liebe zum Detail, wie die nachgedrehten Super-8-Filme aus Romys Privatleben, und all die Zeit, die sich Regisseur Torsten C. Fischer für einzelne Szenen nimmt. Das gilt speziell für die Nahaufnahmen - so auch, als Schneider Harry Meyen (großartig: Thomas Kretschmann) erzählt, sie erwarte ein Kind von ihm; quälend lang ruht die Kamera da auf Schwarz´ Gesicht, das den Moment intensiv trägt. Zudem profitiert der Film von der beispiellosen Ausstattung, die ihr Bergpanorama ebenso glaubwürdig verkauft wie das Frankreich der Sechziger, und einer edlen Schauspielerriege, die den Anspruch der ARD auf seine Qualität unterstreicht. Unterm Strich fehlte nur leider der Mut, am Mythos Romy etwas heftiger zu rütteln.

