Von Andreas Schermer
JAZZ & JOY Mit Erfolgsmusiker James Morrison geht in Worms Festival zu Ende
Seinen verdienten Erfolg hat er sich in der harten Schule als Straßenmusiker und als Kneipensänger vom heimatlichen Pub aus kontinuierlich erarbeitet. Für das Schlusskonzert des Wormser "Jazz & Joy"-Festivals auf dem Platz der Partnerschaft ist James Morrison mit einer stattlichen Begleitband angereist. Neben Schlagzeug, Bass und E-Gitarre werden seine eher intimen Akustik-Gitarren-Arrangements von Keyboard, Orgel und zwei Background-Sängerinnen zum fulminanten Gospel-Rock aufgewertet. In dessen Zentrum steht aber immer Morrisons überhauchte, leicht kehlige Stimme, die sich in einer zart melancholischen Aura zuhause fühlt, aber live deutlich druckvoller und rauer wirkt.
Die Auswirkungen einer schweren Keuchhustenerkrankung auf seine Stimme sind heute James Morrisons großes Glück. Und das der Fans. Ungeschliffen und farbenfroh performt er seine Songs und weiß aus seiner Vergangenheitserfahrung, wie man die Begeisterung des Publikums für sich gewinnt. Bei wechselnden Mitsingspielchen sind seine souligen Schnörkel allerdings eine große Herausforderung für das Publikum.
Man mag dem 24-jährigen vorhalten, zu bemüht die Erwartungen des Erfolgsdrucks nach seinem drei Millionen Mal verkauften ersten Album "Undiscovered" erfüllen zu wollen. Doch wer ihm genau zuhört erkennt, dass hinter diesem emotionalen, zum Kitsch tendierenden poetischen Schwulst nicht nur Klischee-Floskeln als verkaufsfördernder Tribut, sondern ehrliche Gefühle und eine überzeugte Attitüde stecken. Diese Glaubwürdigkeit, mit der er seine Geschichten auf der Akkustikgitarre ausdrückt, hat ihm dann sicher auch den anhaltenden Erfolg für seine Kompositionen des aktuellen Albums "Songs for You, Truths for Me" eingebracht.
So kann er sich für seine erste Platz Eins Chart-Positionierung bedanken, die er in Deutschland für "Broken Strings" verbuchen durfte. Trotz dieses Erfolgs ist sein Name hierzulande noch nicht so geläufig wie der seiner Duett-Partnerin Nelly Furtado. Bei der Wormser Live-Show übernimmt diesen vom Publikum bejubelten Teil die Background-Sängerin Beverly Brown. Dem mitsingenden Publikum nach zu urteilen wird er nach dem schon bestätigten "Please Don´t Stop The Rain" auch mit "You Make It Real" einen kollektiven Ohrwurm freisetzen.
Die Band untermalt einfühlsam zart fragile Balladen und stellt in fulminanten Soul-Hymnen eine wuchtige Soundwand präzise auf den Punkt.
Morrison hat den Soul in der Stimme und Gitarrist Matthew White den Blues in den Händen mit weitaus feinfühligerem Saitenanschlag als die üblichen Studiomusiker, mit denen üblicherweise Newcomer-Solisten für eine Tour ausgestattet werden.
Wer die vorherigen Festival-Tage miterlebt hat, erhält bei dieser Show die Bestätigung, dass ein astreiner ausgewogener Sound sehr wohl auch bei rücksichtsvoller Innenstadtlautstärke möglich ist.
Zur Zugabe lässt die Band James Morrison mit seiner Gitarre alleine. Passend, denn laut eigener Aussage hat er das Stück am Strand geschrieben, in einer Stunde, in der ihm nichts mehr geblieben war außer dem Strand und der Leidenschaft im Herzen. Auf derart inbrünstige Bekundungen reagieren viele Besucher dann doch mit einem etwas skeptischen, aber amüsierten Stirnrunzeln.

