Von Christopher Scholz
Schauspiel Frankfurt präsentiert "Türke sucht das Superdeutschland"
Der Empfang in der ausgelagerten Spielstätte des Schauspiels Frankfurt in der Schmidtstraße 12 gestaltet sich überaus freundlich in gemütlichem Wohnzimmerambiente. Niedrige Tische mit Wasserkaraffen, Kissen zum Hinlümmeln, Teppiche, die Bühne ebenerdig, der Raum abgegrenzt für eine kuscheligere Atmosphäre: Gespielt wird "Türke sucht das Superdeutschland". Besagter Türke heißt Özgür Karadeniz. Er ist in Kiel aufgewachsen, Schauspieler, und lädt auf "eine musikalische Reise durch Karadeniztan" ein. Begleitet wird er dabei von den Musikern Frank Wulff und Martin Engelbach, die mit einem ganzen Sortiment an Instrumenten aufwarten, und Volkan Katan am Saz, der türkischen Laute. Die Reise beginnt leise, mit einem singenden Wasserglas, mit Karadeniz´ Gesang aus dem Off und einer Videoprojektion, ländliche Impressionen aus Ostanatolien. Gitarre und Schlagzeug setzen ein, die Lautstärke nimmt zu und Karadeniz tritt auf. Er rappt und rockt sich durch deutsches und türkisches Liedgut, taucht nun selbst in dem Video auf, wo gerade ein Schaf geschlachtet wird. Er steigt auf einen Tisch, schwingt die nicht ganz schmalen Hüften vor seinem Publikum, das sich vielleicht langsam fragt, wo diese Reise wohl hinführen wird. Nur kurz werden Assoziationen mit dem "Deutschland sucht den Superstar"-Format geweckt, dann wieder erzählt Karadeniz (fiktive) Geschichten aus der Heimat, knüpft an den Militärputsch 1980 in der Türkei an, singt entsprechend politisch gefärbtes Liedgut, um doch wieder in poppige Gefilde abzudriften. Einen konkreten Reiseplan sucht man auf dieser von Karadeniz und Florian Fiedler konzipierten Route vergeblich. Ignoriert man jedoch die relative Ziellosigkeit des Unternehmens beim Kreisen um dieses binationale Subjekt, ergibt sich tatsächlich ein wundersamer Exkurs auf sonderbaren Irrwegen: Karadeniz moduliert variantenreich seine Stimme, singt etwa das Lied "Aicha" zunächst sehr sanft auf Französisch, dann - während die Musiker vom Akustischen ins elektrisch Verstärkte wechseln - in überaus ärgerlich-erregt klingender arabischer Sprache. Und er präsentiert in hinreißendem Falsett eine deutschsprachige Version von Queens "Bohemian Rhapsody". Nach nicht ganz zwei Stunden ist Endstation, irgendwo zwischen den Kulturen. Der Erkenntniswert hält sich zwar in Grenzen, Vergnügen bereitet hat das richtungslose Vagabundieren auf abgelegenen Pfaden dennoch. Nächste Auff. 28. Dez; Karten unter Tel.: 069/1340 400

