Zirkus Carelli macht mit 50 Menschen und 70 Tieren Station in Oppenheim – Wetter trübt Besucherzahl

Wippende Höcker, schlackernde Lippen: Der Auftritt der fünf Kamele war einer der Show-Höhepunkte bei den Vorstellungen des Zirkus Carelli in Oppenheim. Foto: hbz/Stefan Sämmer

OPPENHEIM -Trommelwirbel, Tusch, und schon teilt sich der nachtblaue, glitzernde Vorhang. Fünf Kamele von dunkelbraun bis wüstensandfarben traben eilig herein, die Höcker wippen, schlackernde Lippen sorgen für diese unnachahmlich hochnäsig-charmante Mimik der Wüstenschiffe.

Ein Hauch von Orient weht über die Oppenheimer Festwiese, auf der am zurückliegenden langen Feiertags-Wochenende eine regelrechte Wagenburg davon kündete, dass ein richtig großer Zirkus Einzug gehalten hatte – der allerdings in Sachen Besucherzahl sichtlich unter dem hochsommerlichen Schwimmbad-Wetter litt.

BALD IN MAINZ

Demnächst ist der Zirkus Carelli zu Gast in Mainz: vom 1. bis 18. Juni am Messegelände bei Möbel Martin.

Zwei, die es sich nicht haben nehmen lassen, ganz authentische Manegenluft zu schnuppern, sind Xenia und Romeo. Die 16-Jährige aus Gau-Weinheim hat ihren 18-jährigen Freund „ein bisschen mit dem Zirkusvirus angesteckt“, und der hat sie nun in die Loge eingeladen. Sie habe selbst mal Artistin werden wollen, erzählt Xenia, aber als „Pechvogel“, der vorübergehend auf Krücken angewiesen ist, sei das wohl keine aussichtsreiche Idee. Obwohl, so leben wie die Zirkusleute – das sei schon romantisch.

Aber auch hart: 70 Tiere und 50 Menschen wollen erstmal ernährt werden. Am Anspruch der Zirkusnummern kann dies nicht scheitern: Klassische Artistik und Tierdressuren mit ganz offenbar bestens gehaltenen Vierbeinern bietet die Familie Spindler mit ihrer Mannschaft. Zirkusleute in neunter Generation sind sie, die auch unter dem Künstlernamen Carelli firmieren. Den Zirkus dieses Namens allerdings gibt es so erst seit 2015; Chef ist Jakel Bossart, Betreiber des bekannten Landauer Weihnachtszirkus‘ und eines Veranstaltungsservices. Jüngster in der Manege ist der dreijährige Anthony Carelli. In Mini-Frack animiert er den gutmütigen Berner Sennenhund Balu zum Sprung durch die Reifen, unterstützt von Papa Francesco, der als „Herr“ der Kamele und Araberhengste die Peitsche durch die Luft knallen lässt.

Die Note 1 habe der Zirkus Carelli für die beste Tierhaltung bekommen, betont John Hugo Spindler und ermuntert die großen und kleine Besucher, fünf Euro in die Tierschau zu investieren und so den Futtererwerb zu unterstützen: „Ohne Tiere stirbt der Zirkus aus“, mahnt er. Und knapp die Hälfte der gut 100 Gäste überzeugen sich, dass es den Vierbeinern – darunter auch zwei stattliche bayrische Kühe und drei Kamelbabys – auf Strohbett, in großzügigen Gattern, mit viel Wasser und unter schattigem Dach gut geht.

Derweil kämmt Edi Laforte seine bellende Meute, um gleich nach der Pause mit seiner Hunderevue für viele Lacher zu sorgen. Chico aus Kuba zeigt beeindruckende Hochseilartistik, Sidney beherrscht die Vertikaltuch-Akrobatik, Frau Marion hat offensichtlich viel Erfahrung als Artistin im Luftring, und auch Teenie Ashley weiß, wie man zehn Hula-Hoop-Reifen am Wirbeln hält. Edi Laforte jongliert mit Bällen, Keulen und Reifen, Clown Timmy mischt mit Comedy und Trompetenspiel die Zuschauer auf und gibt später seinem Esel Manolito die Flasche.

Verwirrung um Höhe der Eintrittspreise

Der Duft nach Popcorn und Zuckerwatte durchzieht das Zelt, draußen stimmt ein Alleinunterhalter die Ankömmlinge ein – von denen einige jedoch wieder kehrt machen. Neu ist die Verwirrung an Zirkuskassen um Höhe der Eintrittspreise, Anerkennung von Gutscheinen, Verfügbarkeit von Plätzen oder Vergünstigungen für Väter oder Mütter nicht. So entschied sich eine Schwabsburger Familie für eine andere Nachmittagsbetreuung.

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