Respekt für jene, die kommen

FEST Kulinarische, sinnliche und mitmenschliche Erfahrungen im Schatten des Doms / Lob für Flüchtlingsarbeit

Tattoos vom Islamischen Kulturverein (oben links), Leckereien aus Afghanistan (oben rechts) und ein vielfältiges Bühnenprogramm gehörten zum Interkulturellen Fest.
Fotos: hbz/Stefan Sämmer

MAINZ -„Multikulti“ kann eine sehr sinnliche Erfahrung sein, die sich auch von Regengüssen nicht wegspülen lässt. Das durften Besucher und Teilnehmer beim 40. Interkulturellen Fest am Sonntagmittag auf dem Marktplatz erleben. Verlockende Gerüche von süßen Churros aus Spanien, würzigen Lammspießen aus Aserbaidschan oder feinem marokkanischem Minztee vermischten sich im Schatten des Doms mit einer geradezu babylonischen Sprachvielfalt, untermalt von Liedern und Tänzen aus fernen Ländern. Dass es dabei es von oben mitunter recht nass wurde, geriet fast zur Nebensache.

„Multikulti“ so stellte das Fest in seiner 40. Auflage eindrucksvoll unter Beweis, ist in Mainz kein Modewort, sondern eine über die Jahrzehnte gewachsene und verfestigte Selbstverständlichkeit. „Hier bin ich als Kind schon rumgelaufen“, sagte Alperen Akcay vom Türkischen Kulturzentrum Mainz (ATIB). „Hier sieht man sich jedes Jahr quer durch die Kulturen wieder.“

„Als Tag des ausländischen Mitbürgers haben wir 1976 angefangen“, erinnerte Oberbürgermeister Michael Ebling bei der offiziellen Eröffnung auf der großen Bühne am Domplatz. Die mittlerweile mit 120 Ständen aus 40 Nationen zum „Interkulturellen Fest“ angewachsene Veranstaltung ist regulärer Auftakt zur Interkulturellen Woche, die bis zum 28. September mit zahlreichen Veranstaltungen in allen Stadtteilen stattfindet. Der Respekt, den die Mainzer seit jeher denen zollten, „die zu uns kommen und anders sind“, spiegele sich auch in der Flüchtlingshilfe wider, betonte Ebling. „Und das hängt mit der Tradition der Interkulturellen Woche zusammen.“ Peimaneh Nemazi-Lohfink, stellvertretende Vorsitzende des Beirats für Migration und Integration, forderte in ihrer Eröffnungsansprache von der Bundesregierung mehr Unterstützung, um Integration langfristig planbar zu machen.

„Mein Name hat mir in Deutschland viele Gespräche und lustige Situationen beschert“, lachte Przemyslaw Lebzuch am Stand der polnischen Partnerregion Woywodschaft Oppeln. Auch das sei Multikulti. An seiner Seite warteten die Frauen der Gesangsgruppe „Kupskie Echo“ in prächtigen Trachten auf ihren Auftritt auf der Hauptbühne. Nicht politisch, sondern kulturell will die „Iranische Gesellschaft für Vielfalt und Integration“ in Mainz wirken. Seit ihrem Studienbeginn 1976 lebt Kassenwartin Manijeh Hegner hier. „Mehr als die Hälfte meines Lebens. Das macht mich zum Meenzer Mädche.“ Die Interkulturelle Woche, so findet sie, ist nicht nur größer geworden, es interessieren sich auch immer mehr Menschen für ihr Heimatland jenseits der politischen Themen. Den Wunsch der Flüchtlinge in Deutschland in Freiheit und Demokratie zu leben, kann sie gut verstehen. Aber, „die EU muss reagieren, wenn Deutschland voll ist“. Als Mainzer fühlt sich auch Saravan Rizvanov aus Aserbaidschan. Deutschland verhalte sich in der Flüchtlingsfrage vorbildlich, so der ehemalige Journalist. Aufgabe der Flüchtlinge sei es, „hier wichtige Erfahrungen für den Wiederaufbau ihrer Länder zu sammeln“. .

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