Mangelhafter Grünschnitt in Mainz? Senioren Union beklagt sich über vernachlässigte Straßen

Auch am Lerchenberg an der Auffahrt zu ZDF und Verlagsgruppe Rhein Main spart die Stadt beim Grünschnitt. Das sorgt bei manchen Bürgern für Ärger. Foto: Harald Kaster

MAINZ -Nach welchen Kriterien das Grünamt arbeitet, kann Karl Hermann Matthias nicht nachvollziehen. Er wohnt in der Neustadt, in der Nähe der Pankratiusstraße. Wie er beobachtet hat, sind dort im Frühjahr ein Süßkirschbaum und zwei Holunder-Büsche entfernt worden, stören tun ihn zwei „Buschleichen“, die seit über zehn Jahren nicht beseitigt würden.

Dem Grünamt wirft Matthias ohnehin vor, insgesamt das städtische Grün zu wenig zu pflegen. Nun hat er sich an die AZ gewandt. Als Beispiele nennt der 77-Jährige den Peter-Cornelius-Platz. Dort würde er selbst hin und wieder Unkraut beseitigen. In der Boppstraße oder der Wertherstraße sei ihm das nicht möglich. „Da gibt es zu viele Auswüchse.“ An den verkommenen Büschen in der Pankratiusstraße, so Matthias‘ Schilderung, würde zudem häufig Sperrmüll abgestellt.

„Die Haushaltsmittel sind seit 2004 spürbar reduziert worden bei gleichzeitig stetig wachsenden Flächenzugängen“, antwortet die Stadt auf eine AZ-Anfrage, ob der Etat für die Grünpflege sich verändert habe. Demnach stehen 150.000 Euro pro Jahr im Haushalt, um Aufgaben an Firmen vergeben zu können. Außerdem arbeiteten beim Grün- und Umweltamt 70 Gärtner. Die personelle Ausstattung sei in den vergangenen Jahren gleich geblieben.

Ihre Meinung zum Thema Grünschnitt ist gefragt

  • Lässt die Stadt das Unkraut am Wegesrand zu sehr wuchern? Oder ist die Kritik unberechtigt? Wird sogar zu viel geschnitten und die Natur so um wertvollen Lebensraum gebracht? Die AZ befragt zu diesem Reizthema die Leser. Von 11.30 bis 13.30 Uhr können Interessierte am Freitag, 21. August, anrufen. Unter der 06131/ 48 59 47 können Meinungen direkt geäußert werden.
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„Grünschnitt ist Fremdwort“

Tut die Stadt mittlerweile zu wenig? Für Gerhard Hübel eine leichte Frage: „Grünschnitt ist ein Fremdwort für die Stadt“, sagt der Vorsitzende der Senioren Union Mainz, einer Parteigliederung der CDU. Für eine Touristenstadt sei Mainz nicht gepflegt genug. Als Beispiel nennt er die Parkanlage Nahe des Thaddäusheims. Die Bäume bräuchten einen Rückschnitt, die Ränder würden verkommen.

Was ihn noch stört: „Vor allem die Hecken an den Straßenbahnlinien müssten mehr gepflegt werden.“
Öffentliche Grünflächen, die an Gehwege angrenzen, schneidet die Stadt nach eigenen Angaben zwei oder drei Mal zurück: in der 20. und der 40. Kalenderwoche – also im Mai und im September. An Stellen mit stark wachsendem Grün werde bei entsprechendem Bedarf zusätzlich Ende Juli Hand angelegt. Gehölzer würden zwei mal in der Jahresmitte zurückgeschnitten – in der 25. und der 32. Kalenderwoche.

Wildwuchs am Lerchenberg

Augenfällig ist der Wildwuchs am Lerchenberg, an der Auffahrt zu ZDF und Verlagsgruppe Rhein Main. Für den Rückschnitt an solchen Landesstraßen ist die Stadt nach eigenen Angaben selbst zuständig, wenn die Straße im Stadtgebiet liegt. Im Außenbereich verantworte dies das Land.
Die Ausführung übernimmt dann der Landesbetrieb Mobilität (LBM). Dieser schneidet nach eigenen Angaben die Gräben und Mulden entlang der Landesstraßen einmal im Jahr zurück – an Stellen, an denen das Grün intensiver wachse, würde auch zweimal pro Jahr geschnitten. Fernab liegende Bereiche würden allerdings nur alle drei bis fünf Jahre gemäht. Angaben über den Etat macht der LBM nicht.

Herbizide – also Gift – setzt die Stadt nach eigener Darstellung seit 2012 nicht mehr ein. Der LBM teilt indes mit, dass er im Mai und im Juli von der Aufsichtsbehörde ADD zwei Ausnahmegenehmigung für insgesamt 29 Flächen erhalten hat. Dort dürfe aber nur speziell geschultes Personal spritzen. Gerhard Hübel von der Senioren Union regt zur Selbsthilfe an: Bereits im letzten Jahr habe er sich mit anderen Vertretern der CDU vorgenommen, sich privat um die Beete im Rosengarten des Stadtparks zu kümmern. „Man kann nicht immer nur nach dem Staat schreien.“ Allerdings habe ihn eine Krankheit zurückgeworfen. Jetzt wolle er sich für die Pflege des Rosengartens anbieten. Ob aber die Stadt immer den Willen habe, Grünschnitt zuzulassen, bezweifelt Hübel.

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