Unter den Sternen des Chapiteaus

WEIHNACHTSCIRKUS Familie Weisheit präsentiert bis 8. Januar Hula-Hoop-Künstler, Feuerspucker und Clowns

Auch Teresa mit ihren Hula-Hoop-Reifen machte das Publikum im Weihnachtszirkus staunen. Seit fünf Jahren bietet die Familie Weisheit dieses Zirkus-Vergnügen. Foto: Thomas Schmidt

INGELHEIM -Das Viermastzelt badet förmlich im weihnachtlichen Lichterglanz. LED-Rentiere und -Nikoläuse, -Schneemänner und -Sterne, wohin man auch blickt. Kinder tapsen an der Hand von Eltern oder Großeltern an die Neisser Straße, wo der Weihnachtscirkus der Familie Weisheit Quartier bezogen hat. Längst sind die fahrenden Artisten Stammgäste in Ingelheim. Seit fünf Jahren lassen sie den ganz besonderen Duft von Popcorn, Bratwurst und Manege unter dem sternenübersäten blauen Himmel des Chapiteaus wehen. Seit fünf Jahren lassen sie in zweistündiger Show vor allem die Jüngsten einen Blick durchs Schlüsselloch auf die vordergründig so schillernde Zirkuswelt werfen.

Anja und Hubertus Weisheit halten zusammen mit ihren Kindern Joana, Natascha, Romiena und Romano eine aus einer untergegangenen Welt zu stammen scheinende Tradition aufrecht. Hier packt jede und jeder an. Im Kartenverkauf und am Einlass, im Imbisswagen, beim Leuchtstäbchen-Verkauf oder am Bratwurststand – und natürlich im Programm. Die Besucher der Premiere lassen sich von so viel nostalgischem Engagement gerne anstecken. Und als schließlich zu „Silent Night“ die Schneemaschine die so recht zur Weihnachtszeit passenden Flocken in die Manege rieseln lässt, als ein LED-beleuchteter Engel einreitet und in einem von einem pausbäckigen Schneemann begleiteten Wägelchen auch noch ein Mini-Puttchen (die dreijährige Yvene) durch das Rund zieht, ist die Illusion fast perfekt.

TERMINE

Karten für die Vorstellungen können täglich ab 10 Uhr an der Zirkuskasse oder unter Telefon 0172-2826016 vorbestellt werden. Die Vorstellungen laufen bis Sonntag, 8. Januar, täglich um 16 Uhr und an Silvester um 18 Uhr.

Aber perfekt kann, ja, soll Circus auch nicht sein. Wer bombastisch-telegene Zirkus-Shows à la Festival Monte Carlo erwartet, ist bei den Weisheits fehl am Platz. Hier wird nachgerade bürgerliche Artistenarbeit abgeliefert. Hier spürt der Besucher das Herzblut, mit dem das Programm bestritten wird. Ehrliche Handarbeit ohne Netz und doppelten Boden. Da darf dann auch mal der angekündigte Salto Mortale auf dem Trampolin misslingen, da nimmt niemand übel, dass die Hula-Hoop-Nummer nicht ganz so gelingt, wie geplant. Allein das strahlende Lächeln der Artistin ist den Applaus wert.

Der Weihnachtscircus setzt auf menschliches Können. Wie etwa bei Yvetta, die in Raupenkostüm geschlüpft ist, das ebenso biegsam wie die junge Frau selbst ist. Oder beim vom Feuerspucker begleiteten orientalischen Tanz. Im von der Decke hängenden Reifen wird bewundernswerte Körperbeherrschung demonstriert, Tellerbalance und riesige Seifenblasen lassen vor allem die Kinder staunen. Clowneske Zaubereien und natürlich die Clowns selbst (Emma und Banane) zeigen weitere Facetten der Bandbreite der Weisheits und ihrer zirzensischen Gäste, die unter anderem aus Holland und Tschechien stammen.

Tierdressuren hat der Weihnachtscircus gottlob nur am Rande im Programm, sieht man einmal vom Sechsergespann der Haflinger ab, von denen einer zur Levade steigt, während die anderen ein paar Mal durch die Manege traben. Oder die beiden Ponys, die nichts anderes zu tun haben, als weihnachtlich gekleidete Teddybären durch die Manege zu bewegen. Tatsächlich Spaß zu machen scheint es den beiden Jack Russels. Die Tiere zeigen das, was bei jedem Hundetraining gang und gäbe ist. Anders schon bei der Tauben-“Dressur“. Ganz offensichtlich sind die Vögel durch Eingriffe ins Gefieder nicht mehr in der Lage, sich fliegend fortzubewegen.

Dass es um den Nachwuchs nicht schlecht bestellt ist, wird schließlich beim „großen Finale“ demonstriert, als die kleine Yvene, assistiert von Zirkusdirektor Hubertus Weisheit, herzallerliebst akrobatische Übungen vorführt. So familiär kann und muss Zirkus sein.

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