Circus Carl Busch kommt ohne Elefanten nach Bad Kreuznach

Die beiden Elefantendamen Carla und Maschibi weilen derzeit im Winterquartier des Zirkusses in Dürrwangen.
Foto: Circus Carl Busch

BAD KREUZNACH -Kaum wird bekannt, dass ein Zirkus die Stadt ansteuern wird, stehen schon Tierschützer auf dem Plan, um zu protestieren und beispielsweise gegen mögliche Verstöße gegen Haltungsbedingungen zu demonstrieren. "Es ist schon schlimm, in jeder Stadt so begrüßt, also angepöbelt zu werden", sagt Reto Hütter, Tourneeleiter des Circus Carl Busch. Dieser weilt alle drei bis fünf Jahre für einige Tage in der Nahestadt, eine laut Hütter "Super-Zirkus-Stadt".

Jetzt findet vom 19. bis 21. Juni ein weiteres Gastspiel auf der Pfingstwiese statt, diesmal allerdings ohne die beiden Elefantendamen Carla (vor 51 Jahren im Zirkus geboren) und Maschibi (37), die als zweijähriges Elefantenbaby von Afrika aus nach Deutschland kam. Allerdings wird durch das Fernbleiben der beiden Zirkustiere hier keinesfalls ein Verstoß gegen ein unerlaubtes Halten oder Zurschaustellen von Wildtieren geahndet, wie es von einer Tierrechtsinitiative publik gemacht wurde. Vielmehr waren die beiden Dickhäuter nicht im Programm aufgeführt, mit dem sich das Zirkusmanagement im November 2014 bei der Stadt beworben hatte. Die Bewerbung bezog sich auf eine neue Produktion, das "Carl Busch Varieté" mit einem Hauptaugenmerk auf Comedy, ausgesuchten Artisten und Musik. "Das Unternehmen machte hierbei gegenüber der Verwaltung klar, dass keine Wildtiere in diesem Programm vorkommen", betonte die Pressestelle der Stadt auf Anfrage. Hintergrund dafür sei, erläuterte Reto Hütter, dass der seit 1891 bestehende Circus Busch seit einigen Jahren sein Programm thematisch immer mal wieder umstellt, mal mit mehr oder wenigen Tieren reise. Nach Bad Kreuznach sei von vornherein geplant gewesen, ohne die beiden Elefantenkühe, die sich im Winterquartier in Dürrwangen aufhalten, anzureisen. Für Verwirrung sorgte aber eine von der Bewerbung abweichende Pressemitteilung, in der die beiden Elefanten erwähnt wurden. Tierrechtler haben sich nun wohl das Fernbleiben von Carla und Maschibi auf die eigene Fahne geschrieben.

Manche Aussage "unfair"

Manche Aussage oder mancher Vorwurf von Tierschützern, ab und an auch mal von Mitbewerbern seien einfach unfair, betonte Hütter gegenüber der AZ. Gerade auch jetzt, nachdem Schlagzeilen wie "Zirkuselefant tötet Spaziergänger" die Diskussion um (Wild-)Tiere im Zirkus wieder mächtig schüre. Grundsätzlich begann der Circus Carl Busch mit Pferden als Hauptattraktion in einer Zeit, als das Publikum von bislang unbekannten exotischen Tieren und Menschen aus fernen Ländern magisch angezogen wurde, getrieben von einer neuen Sehnsucht. Im Lauf der Jahre sei das Programm den Ansprüchen der Zuschauer immer wieder angepasst und modernisiert worden.

Im Zuge von neuen Auflagen und Vorschriften haben exotische Tiere wie Nilpferde oder Giraffen viele Manegen lange schon verlassen, ebenso Raubkatzen wie Tiger und Löwen.

Alt werden im Schiccoland

Der Circus Carl Busch unterhält für ältere Tiere und einstige Manegenstars einen Streichelzoo, das Schiccoland, wo auch Tiere aus anderen Zirkussen in Ruhe alt werden können, ähnlich wie auf einem Gnadenhof. "Niemand lässt heute noch einen Bären Motorrad fahren oder einen Affen einen Schottenrock tragen", unterstreicht Hütter. Auch werde kein Elefant mehr gezwungen, einen Kopfstand zu zeigen. Bei den Dressuren werde heute auf gelenkschonende Bewegungen Wert gelegt. Pferde, auch Kamele und Dromedare dürfen unter der Zirkuskuppel in Bad Kreuznach aber auch 2015 auftreten. Sie gelten nicht als Wildtiere. Zukäufe von Wildtieren sind Zirkussen schon seit Jahren untersagt, Zuchtprogramme erfolgen rein in Zoos.

Grundsätzlich würde sich Tourneeleiter Reto Hütter wünschen, dass auch in Deutschland der Gesetzgeber endlich handeln würde, so wie in seiner Heimat Schweiz geschehen. Dann hätte die Verunsicherung des Publikums ein Ende und die Zirkusleute selbst seien bei Einhaltung von Vorgaben und "gerne auch angezogenen Vorschriften" auf der sicheren Seite und nicht ständig aufs Neue gezwungen, sich rechtfertigen zu müssen.

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