Besondere „Verkehrsschädlinge“

RADFAHRER Schon damals ärgerten sie „Automobilisten“ durch Kurvenschneiden und überhöhtes Tempo

Bereits 1928/29 beschäftigten lärmende „Auto-Hörner“ die Kreuznacher Karnevalisten.

Foto: Archiv Senner

BAD KREUZNACH -„Mit einem nie gekannten Getöse“, klagte man in den frühen 30er Jahren, habe der zunehmende Kraftfahrzeugverkehr die Städte erfüllt. Motorenlärm „und Hupen“ seien „zu einer Bedrohung der Gesundheit“ geworden; „die Dreiradlieferwagen jagen rücksichtslos und spektakelnd durch die Straßen“. Bad Kreuznach stellte sich dem Problem und rief nach Wiesbadener Vorbild eine ,hupfreie Woche‘ aus. Am 5. April 1933 begann sie. In den Schulen war der Lehrfilm ,Vorsicht im Strassenverkehr‘ zu sehen. Und die Polizei setzte sich zum Ziel: „Alle Straßenbenutzer, die sich falsch benehmen, werden belehrt und erhalten gedruckte Verkehrsregeln.“ Denn das allzuhäufige Hupen sollte abgestellt werden, indem man seine Ursachen beseitigte, das Fehlverhalten der Fußgänger und Radfahrer: „Ob zu Fuss ob mit dem Rade, / Halte rechts Dich auf dem Pfade. / Hat das Auto freie Strassen, / Wird es gern das Hupen lassen.“ Kreuznachs Passanten sollte „zweckloses Umherstehen auf Bürgersteig und Fahrdamm“ ebenso abgewöhnt werden wie die Unsitte, einfach das nächstgelegene Trottoir zu benutzen. Wenn die Stadtein- und Stadtauswärtsstrebenden jeweils rechts gingen, würde niemand mehr genötigt sein, vor Entgegenkommenden auf die Straße auszuweichen!

Hupfreie Woche

Als besondere „Verkehrsschädlinge“ galten die Radfahrer. Ihr überhöhtes Tempo, „Kurvenschneiden“ und „das Herausfahren derselben aus den verschiedenen Querstraßen“ seien „für den Automobilisten ein Verhängnis“. Die zweite ,hupfreie Woche‘ vom 7. bis 17. September nahm auch das Lärmen heimkehrender Wirtshausbesucher aufs Korn: „Steigt dem Franzmann Wein zu Kopf’, / Randaliert und tobt der Tropf. / Deutscher Zecher ehrt den Wein, / Schafft sich still und ehrbar heim.“

Zur Verbesserung der „Straßendisziplin“ wollte ein Leserbriefschreiber nun „ausgewählte SS- oder SA-Leute“ eingesetzt sehen. Doch die NSDAP hatte mit der ,hupfreien Woche‘ nichts mehr im Sinn und erklärte, „daß in Bad Kreuznach mit seinen an und für sich unübersichtlichen Straßen und Kreuzungen und mit seinen schmalen Bürgersteigen ein generelles Hupverbot nicht durchführbar ist.“

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