Manege frei für Mensch und Tier

CIRCUS WEISHEIT Schausteller machen eine Woche lang Station in Alzey / Akrobatikeinlagen und Wilddressur

Dompteur Sascha Brehn übt mit Tiger Jill im Außengehege bereits für ihren ersten Auftritt am Freitag. Foto: photoagenten/Carsten Selak

ALZEY -„Wir werden Sie begeistern!“, prangt in großen gelben Lettern auf dem Flyer des Circus Manuel Weisheit, der in dieser Woche in Alzey gastiert. „Aber warum sind wir so sicher, Sie zu begeistern? Weil wir es können!“ Eine selbstbewusste Aussage, aber auch eine, die beweist: Hinter diesem Flyer steckt viel Überzeugung, Herzblut für einen Berufsstand, dessen Reputation und Wahrnehmung in der Öffentlichkeit heutzutage auf dem Prüfstand stehen wie bei kaum einem anderen.

Familie ist seit 1824 in deutschen Städten unterwegs

Und dass sie es können, dass wollen die Artisten des 17-köpfigen Teams am Freitag, Samstag und Sonntag auch den Alzeyern beweisen. Leidenschaft und voller Einsatz, ein Leben in der Manege, dafür steht die Circusfamilie Weisheit seit 1824, berichtet Tim Thomsen, Pressesprecher, Geschäftsführer und selbst Artist. „Und dafür werden wir auch weiterhin stehen, als Erlebnis für die ganze Familie“, schiebt sein Schwiegervater, Circusdirektor Manuel Weisheit, hinterher. Um zu bemerken, dass ihnen das Circusleben am Herzen liegt und Freude bereitet, braucht es beim Rundgang durch die Wagenkolonie an der Dautenheimer Landstraße, auf einem Stück Grün gegenüber der Einfahrt der Rheinhessen-Fachklinik, nicht lange.

VORHANG AUF

Vorstellungen des Circus Manuel Weisheit, Dautenheimer Landstraße, gegenüber RFK: Freitag, 22. Juli, 17 Uhr, Familientag mit freier Platzwahl, 10 Euro Eintritt pro Person; Samstag, 23. Juli, 17 Uhr und Sonntag, 24. Juli, 15 Uhr, jeweils 11 bis 22 Euro Eintritt pro Person.

In der 15-minütigen Pause der zweistündigen Vorstellungen warten Ponyreiten, Streichelzoo und Tigerfütterung unter fachkundiger Anleitung.

Weitere Informationen gibt es per E-Mail an circus-weisheit @web.de oder unter Telefon 0174-4 98 92 86.

Durch den Bauch eines alten, beigen Kassenwagens geht es hinein ins Innenleben des Circus. In der Mitte das Herzstück, das Zelt mit Platz für bis zu 300 Besucher. Drumherum im Rondell stehen Wohnwagen, Lkw, Anhänger, mobile überdachte Ställe. Ein Pferd grast auf einer abgezäunten Koppel, zwei Lamas ziehen an einem Büschel Heu. Hunde tollen über die Wiese. Thomsen berichtet von Porgramm und Attraktionen, von der Kraftartistik an den römischen Ringen in luftiger Höhe, dem Messerwerfen in der Wild-West-Show, Tuchakrobatik, tanzenden Tellern, den Jongleuren und natürlich dem Clown Dave. Plötzlich ein Windstoß, von einem der Lkw weht eine Brise Wildtiergeruch, ein Hauch von Zoo herüber. Auf der Rückseite des Lasters ein 120 Quadratmer großer, zu allen Seiten umzäunter Käfig, an das Gefährt angedockt. Auf dem Rasen stehen Wasserbecken, Baumstämme und ein Podest. Auf der Ladefläche räkeln sie sich dann: Jill, Sahib, Shiva und Bavati, vier sibirische Tiger. Friedlich liegen die Raubkatzen dort, suchen Schatten. Doch ist das Halten von Tieren im Circus heutzutage nicht problematisch? „Circus ohne Tiere ist für mich kein Circus“, macht Weisheit deutlich.

Seit jeher gehören Tiere bei den Weisheits zum Inventar. Von Elefanten über Giraffen und Löwen bis hin zu den Tigern war schon einiges dabei. Neu an Bord sind seit einem Monat auch Shetland-Ponys. Insgesamt zehn bis 15 Tiere, wie aktuell, das sei für den Circus derzeit sowohl vom Arbeitsaufwand als auch finanziell eine ideale Besetzung, um auch allen Tieren gerecht werden zu können.

Kein Verständnis haben Weisheit und Thomsen hingegen für übergriffige Tierschützer, „die ohne Fachwissen hereinpreschen und uns sagen wollen, dass wir unsere Tiere nicht halten können“.

Wenn es nach den Tierrechtlern gehe, dann könnten Menschen noch nicht einmal Hunde halten, fügt Weisheit hinzu. Seit einigen Jahren machen ihm Tieraktivisten zu schaffen. Von Pöbeleien, Beleidigungen, bis hin zu Hausfriedensbruch, Randale und Sachbeschädigung sei alles dabei, berichtet Thomsen. Vier bis fünf Mal pro Jahr käme es zu solchen Vorfällen. Insgesamt entstehe dem Circus dadurch jährlich ein Schaden von rund 10 000 Euro. „Geld, dass wir an anderer Stelle sinnvoll in die Tiere investieren könnten“, so Thomsen. Dabei gebe es keinen Grund für Anfeindungen. „Wir halten alle Auflagen ein, gehen sogar noch über die tierschutzrechtlichen Vorgaben hinaus“, sagt Weisheit und lädt darüber hinaus jeden ein, sich selbst ein Bild von der Unterbringung und dem Zustand der Tiere zu machen. Jeder sei zu jeder Zeit willkommen.

„Die Tiere des Circus befinden sich in einem sehr guten Pflege- und Ernährungszustand“, bestätigt auch Simone Stier, Pressesprecherin des Landkreises Alzey-Worms. Tierschutzrechtlich gebe es nichts zu beanstanden. Dies hätten Kreisveterinäre bei ihrer Kontrolle vor Ort festgestellt. Dies gehe so auch aus der bundesweiten Datenbank, in der alle Kontrollen aufgeführt werden, hervor. Die Tiger beispielsweise seien in einem 120 Quadratmeter, statt in einem tierschutzrechtlich für vier Tiger festgelegten 50 Quadratmeter großen Gehege untergebracht.

Thomsen und Weisheit dagegen freuen sich erstmal auf ihre Auftritte am Wochenende und hoffen auf reges Interesse an ihrem Programm, gleichermaßen menschlich und tierisch.

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