Für eine neue Aufklärung
01.02.2011 - MAINZ-BINGEN
Von Jochen Werner
EMPFANG Kreis-Grüne läuten mit Claudia Roth das Wahlmarathonjahr ein
Selbstbewusst und mit neuen Inhalten gehen die Grünen ins „Wahlmarathonjahr 2011“. Zusammen mit ihrer Bundesvorsitzenden Claudia Roth hoffen sie auf die erfolgreichsten zwölf Monate in ihrer Parteiengeschichte. Das wurde beim Neujahrsempfang unter dem Motto „Demokratie neu denken“ in der Binger Bühne deutlich.
Es war ein Empfang, der ganz im Zeichen des rheinland-pfälzischen Wahlkampfes stand und mit dem sie die Partei, die immer noch ein bisschen anders ist als alle anderen, vor ihren Mitgliedern und Interessierten positionierte. Viel vor haben sie, das machten alle Redner deutlich. Roland Böse in der Stadt Bingen, Irene Alt im Kreis, die Landtagskandidaten Pia Schellhammer, Ulrich Steinbach und Georg Leufen-Verkoyen, Tabea Rößner als Bundestagsabgeordnete und schließlich Parteichefin Claudia Roth. Landtagsprogramm und -kandidaten wurden von Rößner in einer Talkrunde vorgestellt, die die ganze Bandbreite neuer grüner Politik offenbarte.
Der Mainzer Direktkandidat Daniel Köbler sah denn auch den Sieg der 05er bei Kurt Becks Lieblingsclub FCK als gutes Omen, um eine SPD-Alleinregierung abzuwählen und gleichzeitig ein liberal-konservatives Bündnis im Land zu verhindern. Ziele seien schneller mit den Menschen erreicht als gegen sie, plädierte er für mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung satt „Hinterzimmer- und Lobbypolitik“. Rheinland-Pfalz müsse „grün“ werden, schließlich wolle man Einiges bewegen. Und keinen Zweifel lassen: „Demokratie und Freiheit gehören zusammen“, so der 29-Jährige.
Grünen-Chefin Claudia Roth fordert in ihrer einstündigen Rede die grünen Werte ein, Ökologie, Demokratie, Selbstbestimmung und Gerechtigkeit, aber auch den Wunsch nach mehr Zeit. Gewalt sei geistige Kapitulation. Stattdessen forderte sie Empathie und Leidenschaft, es gebe keine Stabilität ohne innere Demokratie. Ohne Ressentiments will sie sein, für eine neue Aufklärung. Aus Fehlern will sie lernen, sie will zuhören, Meinungen respektieren und die Vielfalt in Partei, Gesellschaft und Kultur als Reichtum verstanden wissen. Und Roth erhebt einen Rheinland-Pfälzer zu „meinem Präsidenten, auch wenn der noch in CDU ist“: Dr. Theo Zwanziger, Vorsitzender des weltgrößten Sportverbandes DFB, habe schließlich die Fußball-WM der Frauen in die Republik geholt und stehe im Fußballbund ganz offen für Demokratie und eine stärkere Beteiligung ein. Was im Fußball gilt, habe auch hinsichtlich der Wahlen Bedeutung, sei Stimmung nicht gleichzusetzen mit Zustimmung. Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit gelten ihr als Primärtugenden.
Die über 80 Zuhörer in der Binger Bühne waren begeistert. Mit Kind und Kegel auf Stühlen und an Stehtischen applaudierten sie reichlich, ließen aber auch ihrer Meinung freien Lauf. Genauer hinschauen wollen sie jedenfalls - und die Akzeptenz für politische Entscheidungen steigern.

