Narrenkäfig statt Narrenturm - MCV will Straßen-Disco verlegen
17.02.2010 - MAINZ
Von Maike Hessedenz und Monika Nellessen
Nach der Kampagne will der Mainzer Carneval Verein (MCV) den Standort des Narrenturms in der Rheinstraße erneut in Frage stellen. Die abendliche Party am Fort Malakoff, die sich mit der angebotenen Musik an die Jugend richtet, sei mittlerweile ein gefährlicher „Brennpunkt“, urteilt Organisator Kay-Uwe Schreiber. Ein Problem sei, dass mit der DJ-Bühne an der Rheinstraße eine Hauptverkehrsachse gesperrt werde. Die Polizei könne die Sicherheit kaum gewährleisten, die Veranstalter den Getränkekonsum nicht kontrollieren.
Schreiber plädiert dafür – wie Zugmarschall Ady Schmelz in den vergangenen Jahren, diesen Teil der Party auf den Ernst-Ludwig-Platz hinter den Landtag zu verlegen. Dort sei die feiernde Masse in einer Art „Narrenkäfig“ durch Absperrgitter, ähnlich wie beim Rheinland-Pfalz-Open-Air, besser zu steuern, etwa durch Einlasskontrollen. So könne man auch dafür sorgen, dass kein „harter“ Alkohol mitgebracht werde und die Feiernden nur das konsumieren, was es vor Ort gibt. Schreiber erinnerte daran, dass auch die Polizei aus Sicherheitsgründen diesen Standort bevorzuge.
Auch der Narrenzirkus soll umziehen
Aber nicht nur der Malakoff-Narrenturm solle am Ernst-Ludwig-Platz eine neue Heimat finden, auch der Narrenzirkus, das Partyzelt des MCV auf der Lu, könne umziehen. Der MCV habe zwar in diesem Jahr 23 Uhr als Sperrstunde für das Zelt akzeptiert. Bei einer Verlagerung auf den Ernst-Ludwig-Platz könne das Thema erneut aufgegriffen werden. Die Party auf der Ludwigsstraße will Schreiber hingegen nicht in Frage stellen: „Die Lu ist und bleibt die Fanmeile der Mainzer Fastnacht.“ Eine andere Frage sei, ob sich der neu eingerichtete „Sicherheitsgang“ vor dem Narrenturm am Schillerplatz bewährt habe. Der abgesperrte Gang, der die feiernde Menge vor dem Turm in zwei Hälften teilte, habe seinen Zweck verfehlt, Rettungskräfte im Notfall schneller zum Unglücksort zu leiten. „Natürlich wären wir auch bereit, den Ernst Ludwig-Platz nach der Fastnacht wieder herzurichten, wie wir das in diesem Jahr mit dem Schillerplatz machen werden“, betont er.
Gründezernent Wolfgang Reichel (CDU) kann dem erneuten Vorstoß wenig abgewinnen. Das „Forum Regierungsviertel“ habe gerade eine Lenkungsgruppe beauftragt, die Umgestaltung von Kaiserstraße bis Haus der Jugend in Angriff zu nehmen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es für sinnvoll gehalten wird, einen neu angelegten Platz, der ja dann das Entree des Regierungsviertels sein soll, ein Mal pro Jahr wieder kaputt zu machen“, so Reiche. Zugleich erinnerte er daran, dass der Pfarrer von St. Peter massiv Anstoß an Großveranstaltungen in der Nachbarschaft genommen habe. Dabei sei es nicht nur um den Lärm gegangen, sondern auch um Verunreinigungen an und in der Kirche.

