Weisenauer tanzen über den Wolken
21.02.2012 - MAINZ
Von Marcel Friederich
CCW Carneval Club trotzt im ausverkauften Kulturheim dem Fluglärm mit Freude und Frohsinn
Die fünfte Jahreszeit biegt auf ihre Zielgerade. Doch dass die Mainzer Narrenschar noch allerbeste Kondition und Feierlaune besitzt, zeigte sich beim Carneval-Club Weisenau (CCW) mehr als eindrucksvoll. Mit einem hochklassigen Programm, darunter weitgehend eigene Aktive, begeisterte der CCW die Besucher im ausverkauften Kulturheim. Das Motto des Abends setzten die Weisenauer glänzend in die Tat um: „Freude, Frohsinn, gold’ner Wein, beim CCW in Mainz am Rhein!“
Dank Protokoller Markus Mehlinger kam die Narrenschar von Beginn an in gute Stimmung. Vor allem nahm Mehlinger die Diskussion um eine Frauenquote in deutschen Topunternehmen aufs Korn: „Was machen die Firmen jetzt unter Druck? Sie schaffe Vorstandsämter für Yoga und Christbaumschmuck.“ Auch lokale Themen wie der Fluglärm standen auf Mehlingers Agenda. Passend dazu tanzte das Gardeballett des CCW zu den Klängen des Reinhard-May-Klassikers „Über den Wolken“ - als musikalischer Protest gegen den Fluglärm.
Je zwei Tänzerinnen teilen sich einen „Liebestöter“
Einen weiteren Auftritt hatten die zehn hübschen Mädels in schwarzen und weißen Strumpfhosen. Der Clou bei der Sache: Jeweils zwei Tänzerinnen teilten sich einen „Liebestöter“. Für jede einzelne Tänzerin bedeutete dies, dass das eine Bein in einer schwarzen, das andere Bein in einer weißen Strumpfhose steckte. Damit sich trotzdem ein synchrones Bild ergab, war eine ganze Menge Teamarbeit nötig. „Eine grandiose Idee“, sagte der temperamentvolle und bestens aufgelegte Sitzungspräsident Steffen Feldmann.
Einen weiteren optischen Höhepunkt lieferte das Männerballett „Die Rumpelfüßler“ (Leitung: Elina Schroth). Dabei standen die zehn knackigen Tänzer als Pleite-Griechen auf der Bühne. Tolle Stimmung verbreitete auch der „Sound of Weisenau“, der peppige Musikzug des CCW (Leitung: Janina Feldmann). Einen bunten, musikalischen Mix lieferten Vater Gerhard Carra und Sohnemann Christian („Paco & Paco“). Einfach herzzerreißend, wie Christian beim emotionalen Abschiedssong „Soundtrack meines Lebens“ seine Freundin grüßte.
Wunderbaren Meenzer Kokolores gab es gleich mehrfach zu hören. Wolfgang Hochhaus und Marcus Schwalbach glänzten als „Ritter und Knappe“, während sich Beate Dietz über ihren Ehemann beschwerte. Denn dieser ist gerade in Rente gegangen. „Ich frag mich heimlich, was ist besser, nehm ich en Anwalt oder es Messer?“ Eine hoffnungsvolle Nachwuchsrednerin ist Magali Pietrzeniuk. Die erst 13-jährige Schülerin berichtete vom Älterwerden ihres Vaters: „Wo früher schöne Locken noch, wird immer größer dieses Loch.“
Urkomisch auch, wie Jürgen Wiesmann seinen Vortrag als Familienoberhaupt spontan selbst kommentierte und darauf hinwies, welche Witze bei der TV-Sitzung gestrichen wurden. Einer von vielen Höhepunkten, ehe der wunderbare närrische Abend zu Ende ging.

