Narren im Dietersheimer Märchenwald
07.02.2012 - DIETERSHEIM
Von Siegfried Wenisch
SPIELVEREINIGUNG Fastnachtssitzung funktioniert auch ohne politische Beiträge bestens
„In diesem Jahr feiert Jung und Alt im Dietersheimer Märchenwald!“ Na toll, Märchen, gibt es das noch?
Für die heimischen Spaßmacher ist diese Thematik mal wieder ein gern persifliertes Phänomen: Rotkäppchen existiert in Dietersheim. Und so stand es letztlich auch auf dem bunten „Ratten-Maus-Orden“.
Der Stadtteil erlebte dann eine moderne und weitgehend „politikfreie“ Narrenschau im „Märchenschloss“ der vierfarbbunten Narrhalla Spielvereinigung.
Die „Klää-Brisseler“ um Sitzungspräsident Thomas Backes, mit ihrem effektvollen 3/11tel-Narren-Rat zeigten sich dann auch absolut kompetent, vor vollem Haus mit überwiegend junger und lautstarker Narrenschar ein über vierstündiges, märchenhaftes Feuerwerk zu entzünden.
Schon beim Einmarsch versprühte der Brucker Lager-Marsch ein gewisses Quäntchen Narrenpulver, das im Laufe des Abends nie feucht wurde, sich aber total intensivierte.
Und wenn dann „Ur-Gestein“ Norbert Jäger mit seinem Sohn „Frank“ die närrische Rostra besteigt, wird das traditionell eine humorige „Kiste“. Sie verliehen als „Eisbrecher“ der Sitzung erste Impulse. Frank: „Die Mama sagt, du würdest nachts babbele, ich weiß warum, klar, weil du über Tag eh nix zu sagen hast.“
Als absolutes „Starter-Highlight“ erklomm Ausnahmetalent Corinna Brück die Bühne. Ski-Hase, Pistensau? „Ski Heil, der ,Willi‘ macht mich schnell wie’n Pfeil“, mimisch und stimmlich eine Schau der Superlative! Der Dank: lang anhaltende Ovationen und Rakete.
Carsten Schröder und Dominik Moll kalauerten aus dem schier unerschöpflichen Repertoire globaler Witzakademien, gewürzt mit Lokalkolorit: „Entweder man ist in guter Gesellschaft, oder man amüsierte sich!“ Klosterbruder „Hilde-gerd“ Conrad hatte lachintensive Geschichten um die Binger „Heilige“ mitgebracht, herzlicher Applaus war sein Lohn. René Quinones (Gesang) und Jan Speiser (Gitarre) verbreiteten musikalische Reizwellen „auf billige Damen“, die Schau sollte noch sehr lange nachhallen. Norbert Siegler „sinnierte“ einmal mehr über den Geschlechterstreit mit Motz auf den weiblichen Modus, das war zu später Stunde einfach rednerisches Können.
Die Showszenerie mit aufwendig gestalteten Kostümen sei hier als „Gesamtbild“ vorgestellt: Da wusste Funkenmariechen Janina Dürk (Knapp/Lorenz) einmal mehr zu gefallen, ehe die „Super-Muttis-Live“ (SML) den ABBA-Song „Mama Mia“ in Eigenregie tänzerisch gestalteten und die Bühne optisch und akustisch unter „Starkstrom“ setzten. Neunfach kamen die „Gagger-Ladies“ um Nina Kljaic im „Rotkäppchen-Look“ auf die Narrenbühne, der „Wolf“ hätte dem Ganzen vielleicht das obligatorische Sahnehäubchen aufsetzen können.
Das Männerballett „Miami Mice“, geformt von Anna Trullay und Nina Kljaic, zeigten sich im phantastischen Elvis-Outfit „märchenhaft“ und bestach mit feiner, akrobatischer Einstudierung. Zugaben, Luftballons, die hundertfach zerplatzten, und „die Hände zum Himmel“, dankten für eine absolut tolle Narrenschau.

