Von Caroline Kögel
Schüler des Stefan-George-Gymnasiums lernen die fernöstliche Sprache
"Yu¯eh¯an, w¯o è le." Das klingt nicht nur Chinesisch, das ist Chinesisch! Und der Satz kennzeichnet gleichzeitig das Oberthema der Unterrichtsstunde im Stefan-George-Gymnasium. Denn dort steht jeden Donnerstag für neun Schüler der zehnten Klassen für zwei Stunden Chinesisch mit Volkshochschullehrerin Geiß-He Hui auf dem Stundenplan. Zu Beginn der Stunde malt sie groß chinesische Zeichen an die Tafel. Sie sehen wirklich schön aus. Doch was sollen sie bedeuten? Und wie spricht man sie aus? Für acht Mädchen und einen Jungen scheint das kein so großes Problem mehr zu sein. Munter werfen sie mit chinesischen Wörtern um sich. "Ich würde in China einfach gerne den Menschen mitteilen können, dass ich Hunger habe oder fragen können, wo es Geschäfte gibt", berichtet Cylia Hergenröter von ihrer Motivation, Chinesisch lernen zu wollen. Und so werden die neun bereits seit acht Doppelstunden von der netten Frau aus Guangdong in die Geheimnisse des Landes des Drachens und dessen Sprache eingeweiht. "Die Schriftzeichen sind eindeutig das Schwierigste. Deshalb übe ich sie öfters mal zu Hause", erzählt Joy Sievers. Doch glücklicherweise gibt es ja noch pin yin, eine Art Lautschrift, die in den 50er Jahren entwickelt wurde, damit Ausländer die Sprache leichter lernen können. Und so können die Schüler auch im Unterricht schon ganze Sätze lesen. Für Ungeübte hört es sich trotzdem lustig an. "Ich kann schon sagen, wie ich heiße, wo ich herkomme und wie alt ich bin", erzählt Cylia Hergenröder. Doch nicht nur nützliche Begriffe für die Alltagskommunikation haben sie bisher gelernt. Jede Woche steht auch eine kleine Einheit chinesische Entspannungstechnik auf dem Lehrplan: Tai Chi. Tief einatmen, konzentrieren, langsam in die Knie gehen, seitlich drehen und Arme und Hände dabei eine Art Welle formen lassen. Das soll helfen, das Gehirn zwischen den Lerneinheiten frei zu bekommen. "Die Übungen machen uns allen einfach total Spaß und es ist immer recht lustig dabei", berichtet Joy Sievers mit einem Lachen. Und dann geht es auch schon weiter mit Texten aus dem Lehrbuch. Schließlich wollen die Schüler bis Mai nächsten Jahres noch viel fitter sein im Chinesischen. Denn dann werden die neun wahrscheinlich für zwei Wochen in den Fernen Osten fahren, um ihre Partnerschüler zu besuchen, die im vergangenen Sommer bei ihnen zu Gast waren. "Vor den Sommerferien hat uns eine chinesische Schule angefragt, ob wir für eine Woche ein paar Schüler aufnehmen würden, da ihre eigentliche Partnerschule abgesprungen ist", erzählt die stellvertretende Schulleiterin, Bettina Hessing-Krauß, von den Hintergründen. "Und da wir sowieso schon mal an einen Austausch mit China gedacht hatten, waren wir sofort dabei". Kommuniziert wurde allerdings mehr mit Händen und Füßen. Denn Deutsch sprach keiner der Chinesen und Englisch nur wenige, den SGGlern wiederum kam die Sprache ihrer Austauschschüler Chinesisch vor. Doch das könnte ja dann beim Gegenbesuch anders sein. Zumindest Essen können sie jetzt bestellen. Denn darum ging es diese Stunde. "Yu¯eh¯an, w¯o è le." heißt nämlich so viel wie: "Ich habe Hunger."

